Der Gedanke an Versicherungen wird von vielen lange Zeit ignoriert – bis etwas passiert. Dann sind zwei Szenarien möglich: Entweder ist man gut geschützt, oder es wird finanziell existenziell. Eine kaputte Waschmaschine ist kein Versicherungsfall. Ein Haftpflichtschaden in Millionenhöhe schon. Gute Versicherungsstrategie bedeutet deshalb: große Risiken absichern, kleine Risiken selbst tragen.

Orientierung

Unverzichtbar = existenziell, praktisch jeder sollte sie haben. Sehr sinnvoll = in vielen Lebenslagen empfehlenswert. Situationsabhängig = nur unter bestimmten Umständen nötig.

Gesetzlich verpflichtend – ohne Alternative

Krankenversicherung

Die Grundlage – ohne sie geht nichts.

In Deutschland besteht Versicherungspflicht. Wer nichts tut, landet automatisch in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Die private Krankenversicherung (PKV) ist für Gutverdiener, Beamte und Selbstständige eine Alternative mit oft besseren Leistungen, aber auch höheren Kosten im Alter.

Hinweis

GKV vs. PKV ist eine der wichtigsten finanziellen Weichenstellungen. Die PKV lohnt sich langfristig nur, wenn man konsequent Rücklagen für steigende Beiträge im Alter bildet.

Kfz-Haftpflichtversicherung

Wer ein Fahrzeug hält, braucht sie – ohne Ausnahme.

Die Kfz-Haftpflicht ist gesetzlich vorgeschrieben und übernimmt Schäden, die du anderen zufügst. Personenschäden können in die Millionen gehen – ohne Versicherung wärst du existenziell ruiniert.

Tipp

Preisvergleiche lohnen sich stark. Gleiche Leistung, oft große Preisunterschiede – regelmäßig wechseln spart hunderte Euro pro Jahr.

Existenziell – für praktisch jeden

Privathaftpflichtversicherung

Die wichtigste Versicherung, die kaum jemand ernst nimmt.

Ein unachtsamer Moment – eine umgestoßene Vase beim Freund, ein Kind läuft vor ein Fahrrad, ein versehentlich gelöschtes Firmendokument – und du haftest mit deinem gesamten Vermögen, auch dem zukünftigen. Die Privathaftpflicht kostet wenig (50–100 €/Jahr) und schützt vor existenziellen Forderungen.

Fazit

Wer nur eine einzige Versicherung abschließt, sollte es diese sein. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist unübertroffen.

Berufsunfähigkeitsversicherung (BU)

Deine Arbeitskraft ist dein größtes Vermögen – sichere sie ab.

Jeder vierte Deutsche wird vor dem Rentenalter berufsunfähig – häufigste Ursachen sind psychische Erkrankungen und Rückenprobleme, keine Unfälle. Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente reicht kaum zum Leben. Eine BU ersetzt einen Großteil deines Nettoeinkommens, wenn du deinen Beruf nicht mehr ausüben kannst.

Persönliche Erfahrung

Ich schreibe das nicht aus dem Lehrbuch. Ein Schlaganfall hat mich mitten aus dem Berufsleben gerissen – und dass ich früh eine Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen hatte, hat mich finanziell aufgefangen. Ich konnte mich auf meine Genesung konzentrieren, statt jeden Monat ums Geld zu bangen.

Ja, die Beiträge tun am Anfang weh. Aber im Ernstfall ist man unendlich froh, sie zu haben. Mein Rat: so früh wie möglich abschließen, solange du gesund bist. Je länger du wartest, desto teurer wird es – und irgendwann nimmt dich keiner mehr.

— Dominic, Gründer von Leben & Finanz
Wichtig

Je früher abschließen, desto günstiger und desto weniger Gesundheitsfragen sind ein Problem. Eine BU mit 25 Jahren kostet einen Bruchteil gegenüber 40 Jahren.

Für die meisten sinnvoll

Risikolebensversicherung

Für alle, die für andere finanziell verantwortlich sind.

Wer einen Partner, Kinder oder eine gemeinsame Immobilienfinanzierung hat, sollte eine Risikolebensversicherung haben (10–50 €/Monat). Die gesetzliche Witwen- und Waisenrente deckt die Versorgungslücke in den meisten Fällen bei weitem nicht. Die Prämien sind vergleichsweise niedrig, der Schutz substanziell.

Für Singles ohne Verpflichtungen und ohne gemeinsame Schulden ist sie nicht notwendig.

Hausratversicherung

Schützt deinen gesamten Besitz – zu erstaunlich geringem Preis.

Einbruch, Feuer, Leitungswasser, Sturm: Dein gesamtes Hab und Gut ist versichert. Wer mehr als ein paar tausend Euro Hausrat besitzt, fährt mit einer Hausratversicherung (60–150 €/Jahr) sehr günstig. Besonders wichtig für Eigentümer hochwertiger Elektronik oder Sportausrüstung.

Hinweis

Auf ausreichende Versicherungssumme achten. Faustformel: 650 € pro Quadratmeter Wohnfläche.

Wohngebäudeversicherung

De facto Pflicht für jeden Immobilieneigentümer.

Feuer, Blitzschlag, Sturm, Leitungswasser – ein Totalschaden am Haus ist ohne diese Versicherung existenzbedrohend. Wer eine Immobilie finanziert hat, verlangt die Bank sie ohnehin ab. Auch ohne Finanzierung: unbedingt abschließen.

Tipp

Elementarschäden (Überschwemmung, Erdrutsch) sind oft nicht inkludiert – separaten Einschluss prüfen, gerade in Risikogebieten.

Zahnzusatzversicherung

Die GKV deckt beim Zahnarzt nur das Minimum ab.

Implantate, Kronen, Inlays, Zahnersatz – hier klafft eine große Lücke zwischen dem, was die GKV zahlt (50 %), und dem, was ein guter Zahnarzt kostet. Eine Zahnzusatzversicherung ist besonders sinnvoll, wenn man noch jung und gesund ist und sie vor anstehenden Behandlungen abschließt.

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Situationsabhängig – je nach Lebenslage

Rechtsschutzversicherung

Sinnvoll für Mieter, Autofahrer und Arbeitnehmer.

Anwalts- und Gerichtskosten können schnell fünfstellig werden. Die Rechtsschutzversicherung (150–400 €/Jahr) lohnt sich besonders für Mieter (Mietrecht), Arbeitnehmer (Arbeitsrecht) und Autofahrer. Vorsicht: Ausschlussklauseln genau lesen – Familienrecht und Vertragsrecht sind oft nicht enthalten.

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Pflegezusatzversicherung

Unterschätzt, aber zunehmend wichtig.

Die gesetzliche Pflegeversicherung deckt bei weitem nicht die realen Kosten eines Pflegeheims (oft 3.000–5.000 €/Monat). Wer im Alter nicht sein Vermögen aufbrauchen oder Kinder belasten möchte, sollte frühzeitig abschließen – je älter, desto teurer.

Unfallversicherung

Nur sinnvoll, wenn du keine BU hast oder haben kannst.

Eine Unfallversicherung zahlt nur bei dauerhafter Invalidität durch Unfälle – aber die wenigsten Berufsunfähigkeiten entstehen durch Unfälle. Wer eine BU hat, braucht in der Regel keine separate Unfallversicherung.

Auf einen Blick

Die 11 wichtigsten Versicherungen – Priorität, Zielgruppe, ungefähre Kosten.
Versicherung Priorität Für wen Kosten
Krankenversicherung Pflicht Alle gesetzlich geregelt
Kfz-Haftpflicht Pflicht Fahrzeughalter je nach Kfz
Privathaftpflicht Unverzichtbar Alle 50–100 €/Jahr
Berufsunfähigkeit (BU) Unverzichtbar Berufstätige 50–200 €/Monat
Risikolebensversicherung Sehr sinnvoll Familien, Kreditnehmer 10–50 €/Monat
Hausratversicherung Sehr sinnvoll Mieter & Eigentümer 60–150 €/Jahr
Wohngebäudeversicherung Sehr sinnvoll Immobilieneigentümer 200–600 €/Jahr
Zahnzusatzversicherung Sinnvoll GKV-Versicherte 15–50 €/Monat
Rechtsschutzversicherung Situationsabhängig Mieter, Arbeitnehmer 150–400 €/Jahr
Pflegezusatzversicherung Situationsabhängig ab Mitte 30 sinnvoll 30–100 €/Monat
Unfallversicherung Begrenzt Kinder, ohne BU 50–150 €/Jahr

Praktische Ansätze zum Aufbau

Schritt 1: Pflicht zuerst. Krankenversicherung und Kfz-Haftpflicht (falls auto) sind gesetzlich verpflichtend und nicht verhandelbar. Die kosten du oder der Staat zwangsweise.

Schritt 2: Existenzielles absichern. Privathaftpflicht und BU sind die Kernversicherungen für jeden. Sie kosten überschaubar (50–100 €/Monat zusammen) und schützen vor Risiken, die dein ganzes Leben zerstören könnten.

Schritt 3: Nach Lebenslage. Hast du Partner/Kinder oder Schulden? Dann die Risikolebensversicherung. Eigene Wohnung? Hausrat. Immobilie? Wohngebäude. Erst dann: Zahnzusatz, Rechtsschutz, Pflegezusatz je nach Situation.

Regel

Versicherungen sind Notwendigkeiten, keine Produkte. Schließe die ab, die echte Lücken decken. Alles andere kostet Geld ohne sichtlichen Nutzen.