Warum die Wahl des Brokers wirklich zählt
Viele Menschen suchen monatelang nach dem „richtigen“ ETF – und denken dabei kaum an den Broker, über den sie ihn kaufen. Dabei ist der Broker mindestens genauso wichtig. Hohe Gebühren fressen Rendite still und heimlich auf. Ein unnötiges Depot kostet nicht nur Geld, sondern auch mentale Energie.
Die gute Nachricht: Der deutsche Markt ist heute so günstig wie nie. Wer den richtigen Anbieter wählt, zahlt auf Sparpläne schlicht null Euro Gebühren.
Vier Broker-Typen auf einen Blick
Bevor wir in die Einzelanbieter gehen, hilft es, die Kategorien zu verstehen:
Filialbanken (z.B. Sparkasse, Volksbank) bieten persönliche Beratung – aber zu Preisen, die für Selbstentscheider nicht vertretbar sind. Für langfristiges ETF-Investieren wenig geeignet.
Direktbanken (z.B. ING, Comdirect) verbinden solides Service-Niveau mit fairen Preisen. Gut für alle, die ein „Rundum-Paket“ mit Girokonto möchten.
Neobroker (z.B. Trade Republic, Scalable Capital, finanzen.net Zero) sind rein digital, meist app-basiert – und extrem günstig. Für langfristige ETF-Sparer oft die erste Wahl.
Online-Broker mit breitem Angebot (z.B. Smartbroker+, DEGIRO) richten sich eher an aktivere Anleger mit Bedarf an vielen Handelsplätzen.
Broker-Vergleich 2026 – die wichtigsten Anbieter
Stand: Juni 2026 · Alle Angaben ohne Gewähr · Konditionen können sich ändern
| Broker | Ordergebühr | Sparplan | ETF-Auswahl | Zinsen Guthaben | Für wen? |
|---|---|---|---|---|---|
| Trade RepublicNeobroker · Vollbank | 1 € pauschal | kostenlos | ~8.000 | 2,0 % p.a. | Einsteiger |
| Scalable CapitalNeobroker | 0,99 € (Free) / 0 € (Prime) | kostenlos | ~2.700+ | variabel | Sparplan-Fans |
| finanzen.net ZeroNeobroker | 0 € (ab 500 €) / 1 € darunter | kostenlos | ~2.200+ | variabel | Kostensparer |
| Smartbroker+Online-Broker | ab 0 € (über gettex) | kostenlos | ~3.600+ | — | Aktive Anleger |
| INGDirektbank | ab 4,90 € (variabel) | kostenlos | ~900 | variabel | Vollbank-Nutzer |
| ComdirectDirektbank | ab 4,90 € + 0,25 % | kostenlos | ~1.900 | — | Service-Orientierte |
Die Anbieter im Detail
Trade Republic – Deutschlands bekanntester Neobroker
Mit über 10 Millionen Kunden ist Trade Republic der reichweitenstärkste Neobroker Europas. Seit Ende 2023 besitzt das Berliner Unternehmen eine eigene EZB-Vollbanklizenz – ein wichtiger Reifegrad. Sparpläne sind komplett kostenlos, jede Einzelorder kostet pauschal 1 Euro. Das Guthaben auf dem Verrechnungskonto wird aktuell mit 2 % verzinst.
Stärken: Extrem einfache App, kostenlose Debitkarte, breites Produktangebot (Aktien, ETFs, Anleihen, Krypto), Zinsen auf Cash.
Schwächen: Kein Xetra-Handel, eingeschränkte Handelsplatzauswahl, kein telefonischer Support.
Ideal für Einsteiger und alle, die einfach und günstig einen ETF-Sparplan starten möchten. Wer mehr als das braucht, sollte vergleichen.
Scalable Capital – Sparplan-König mit großer Auswahl
Scalable Capital punktet mit über 2.700 kostenlosen ETF-Sparplänen und zwei Preismodellen: Das kostenlose „Free“-Konto kostet 0,99 € pro Trade, das „Prime“-Abo (2,99 €/Monat) macht alle Trades kostenfrei. Für reine Sparplan-Anleger macht das Abo selten Sinn – für aktive Trader hingegen schon.
Stärken: Riesige ETF-Auswahl, gettex + Xetra im Free-Modell verfügbar, Robo-Advisor-Option.
Schwächen: Monatliche Kosten im Prime-Modell, Krypto-Angebot teurer als Spezialplattformen.
finanzen.net Zero – Stiftung Warentest Kostensieger
finanzen.net Zero wurde von der Stiftung Warentest mehrfach als Kostensieger ausgezeichnet (zuletzt 12/2025). Orders ab 500 Euro Volumen sind vollständig kostenlos – darunter fällt ein Mindermengenzuschlag von 1 Euro an. Die Sparplan-Auswahl ist ebenfalls groß, die App schlicht und funktional.
Stärken: Echte Nullkosten bei höherem Ordervolumen, großes Sparplanangebot.
Schwächen: App-Erfahrung weniger poliert als bei Trade Republic, kleineres Gesamtangebot.
Smartbroker+ – für Anleger, die mehr Flexibilität wollen
Smartbroker+ richtet sich an Anleger, die Zugang zu vielen Handelsplätzen brauchen. Mit über 3.600 ETFs und Handelsplätzen wie gettex, Xetra oder LS Exchange bietet er mehr Tiefe – erfordert aber auch mehr Eigeninitiative.
ING & Comdirect – für alle, die Vollbank und Depot kombinieren wollen
Wer sein Girokonto und Depot unter einem Dach haben möchte und auf Telefon-Support Wert legt, ist bei ING oder Comdirect gut aufgehoben. Die Ordergebühren sind höher als bei Neobrokern – für passive Sparplan-Anleger aber nach wie vor akzeptabel, da Sparpläne inzwischen kostenlos sind.
Unsere Empfehlungen nach Profil
Scalable Capital
Größte ETF-Auswahl bei Sparplänen, Xetra-Zugang – gut für alle, die mehr Vielfalt wollen.
Trade Republic
Einfachste Eröffnung, kostenlose Sparpläne, Zinsen auf Cash. Der beste Startpunkt für die allermeisten.
finanzen.net Zero
Echte Nullkosten ab 500 € Ordervolumen. Mehrfach Testsieger bei der Stiftung Warentest.
ING
Girokonto + Depot + Telefon-Support. Mehr Service, etwas höhere Gebühren – ein faires Gesamtpaket.
Was du sonst noch wissen solltest
Sicherheit: Sind meine Wertpapiere geschützt?
Bei allen genannten Brokern sind deine Wertpapiere rechtlich als Sondervermögen geschützt – sie gehören dir, nicht dem Broker. Im Insolvenzfall des Brokers sind sie nicht Teil der Insolvenzmasse. Auf dem Verrechnungskonto greift zudem die gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 Euro pro Bank.
Freistellungsauftrag nicht vergessen
Wer keinen Freistellungsauftrag einrichtet, zahlt ab dem ersten Euro Kapitalertrag Abgeltungssteuer – auch innerhalb des Freibetrags von 1.000 Euro (Ledige) bzw. 2.000 Euro (Verheiratete). Bei allen genannten Brokern findest du die Einstellung in der App oder im Onlinebanking.
Depotwechsel ist kein Problem
Du bist nie an deinen ersten Broker gebunden. Ein Depotübertrag ist jederzeit und kostenlos möglich – gesetzlich geregelt. In der Praxis dauert er 1–3 Wochen. Also: Fang heute an, auch wenn du noch nicht den „perfekten“ Broker gefunden hast.
Der beste Broker ist der, bei dem du tatsächlich anfängst zu investieren. Ein mittelmäßiger Broker mit ETF-Sparplan schlägt jeden perfekten Broker ohne Sparplan.