Warum der „typische“ Herzinfarkt ein Männerbild ist

Jahrzehntelang wurde der Herzinfarkt vor allem an Männern erforscht – die Lehrbuchsymptome stammen entsprechend von ihnen. Frauen erleiden ihren ersten Infarkt im Schnitt später im Leben, und er äußert sich häufiger diffus. Der klassische, vernichtende Brustschmerz kann auftreten – er kann aber auch ganz ausbleiben. Stattdessen stehen oft Beschwerden im Vordergrund, die auf den ersten Blick nichts mit dem Herzen zu tun haben.

Diese Anzeichen solltest du kennen

  • Enge- oder Druckgefühl in der Brust – oft weniger stechend als bei Männern
  • Plötzliche Atemnot, auch ohne Anstrengung
  • Übelkeit bis hin zum Erbrechen
  • Schmerzen im Oberbauch, die an Magenprobleme erinnern
  • Schmerzen im Rücken, besonders zwischen den Schulterblättern
  • Schmerzen in Kiefer, Hals oder Nacken
  • Ziehen oder Kribbeln in einem oder beiden Armen
  • Ungewöhnliche, bleierne Müdigkeit und Schwäche – teils schon Tage vorher
  • Kalter Schweiß, Schwindel, plötzliche Angst

Kein einzelnes dieser Anzeichen beweist einen Infarkt. Entscheidend ist die Kombination und das Plötzliche: Wenn mehrere dieser Beschwerden gemeinsam auftreten, heftig sind oder länger als einige Minuten anhalten – und sich mit nichts erklären lassen, was du gerade getan oder gegessen hast –, dann ist das ein Notfall, bis das Gegenteil bewiesen ist.

Die gefährliche halbe Stunde

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Frauen warten nach Auswertungen der BARMER im Schnitt rund 108 Minuten, bevor sie den Notruf wählen – Männer etwa 80 Minuten. Bei Frauen über 65 vergehen vom Symptombeginn bis zur Notaufnahme im Schnitt sogar viereinhalb Stunden, bei gleichaltrigen Männern dreieinhalb. Beim Herzinfarkt gilt aber: Zeit ist Herzmuskel. Jede Minute, in der das verschlossene Gefäß nicht wieder geöffnet wird, stirbt Gewebe ab, das nicht nachwächst.

Die Gründe für das Zögern sind gut untersucht: Viele Frauen deuten die Beschwerden falsch, wollen „niemandem zur Last fallen“ – und sehen sich selbst schlicht nicht als Risikoperson für einen Herzinfarkt. Manche rufen erst beim Hausarzt an oder warten aufs Wochenende. Genau diese Verzögerung trägt dazu bei, dass Herzinfarkte bei Frauen häufiger tödlich verlaufen. Besonders bitter: Auch bei jüngeren Frauen ist das Sterberisiko in den elf Jahren nach einem Infarkt mehr als doppelt so hoch wie bei gleichaltrigen Männern.

Im Notfall

Bei Verdacht auf Herzinfarkt sofort die 112 anrufen – nicht den Hausarzt, nicht die Bereitschaftsnummer, nicht selbst ins Krankenhaus fahren. Sag am Telefon deutlich „Verdacht auf Herzinfarkt“. Ein Fehlalarm ist keine Schande: Den Rettungskräften ist eine unnötige Fahrt tausendmal lieber als eine, die zu spät kommt.

Risikofaktoren, die bei Frauen stärker wirken

Bis zu den Wechseljahren sind Frauen durch das Hormon Östrogen relativ gut vor Gefäßverkalkung geschützt – danach holt ihr Risiko rasch auf. Einige Faktoren wiegen bei Frauen dabei schwerer als bei Männern: Diabetes erhöht das Infarktrisiko bei Frauen vor der Menopause etwa um das Sechsfache. Rauchen ist bei 50- bis 64-jährigen Frauen mit einem rund zehnfachen, bei 18- bis 49-Jährigen sogar mit einem mehr als dreizehnfachen Risiko verbunden – und die Kombination aus Rauchen und Antibabypille treibt das Risiko zusätzlich in die Höhe. Dazu kommen die üblichen Verdächtigen: Bluthochdruck, hohes LDL-Cholesterin, Übergewicht, Bewegungsmangel und chronischer Stress.

Was daraus folgt, ist unspektakulär, aber wirksam: Blutdruck und Blutzucker regelmäßig messen lassen, die eigenen Cholesterinwerte kennen, mit dem Rauchen aufhören – und Bewegung als das behandeln, was sie ist: die beste Investition in die eigene Gesundheit. Wer familiär vorbelastet ist oder in den Wechseljahren steckt, sollte das Thema Herz aktiv beim Check-up ansprechen. Auch ein unentdeckter Prädiabetes gehört auf den Radar.

Nicht verwechseln: Herzinfarkt und Schlaganfall

Beide sind Gefäßnotfälle, beide kosten mit jeder Minute Lebensqualität – aber die Anzeichen unterscheiden sich. Beim Schlaganfall zählen hängende Mundwinkel, Lähmungen und Sprachstörungen; wie du sie mit dem FAST-Test in Sekunden prüfst, erklärt unser Beitrag Schlaganfall erkennen mit dem FAST-Test. Die Gemeinsamkeit: In beiden Fällen ist die 112 der einzige richtige erste Schritt.

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Hinweis: Dieser Beitrag informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Beratung. Bei Verdacht auf einen Herzinfarkt zählt jede Minute: Wähle sofort den Notruf 112. Sprich über deine persönlichen Risikofaktoren mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
Transparenz zu KI: Das Titelbild wurde mit KI erzeugt. Der Text entsteht KI-gestützt und wird vor der Veröffentlichung redaktionell geprüft; die inhaltliche Verantwortung trägt Dominic Schlosshauer (Impressum). Wie wir KI einsetzen, steht auf der Seite KI-Transparenz.

Quellen