Das ist kein Skandal und kein Grund, den Sparplan zu stoppen. Aber es lohnt sich zu wissen, was man da eigentlich besitzt.

Wie es zu den 72 Prozent kam

Der MSCI World gewichtet nach Marktkapitalisierung. Je mehr ein Unternehmen an der Börse wert ist, desto größer sein Anteil im Index. Steigt eine Aktie, wächst automatisch ihr Gewicht – und jeder neue Euro im Sparplan fließt zu einem größeren Teil in genau diesen Titel. Der Index läuft dem Erfolg hinterher, das ist so gebaut und funktioniert seit Jahrzehnten gut.

Nur hat dieser Mechanismus in den vergangenen Jahren eine ungewöhnliche Schlagseite bekommen. 2012 lag der US-Anteil noch unter 50 Prozent. Der KI-Boom hat die Bewertungen der großen amerikanischen Technologiekonzerne seither auf ein Niveau getrieben, das den halben Index prägt. Zum Stichtag 31. August 2026 sieht die Spitze so aus: Nvidia mit 5,6 Prozent, Apple mit 5,1 Prozent, Microsoft mit 3,9 Prozent. Diese drei Firmen allein machen rund 14,5 Prozent des gesamten Index aus. Zum Vergleich: Ganz Japan, zweitgrößtes Land im Index, kommt auf 5,8 Prozent.

Zur Einordnung eine Zahl, die auf den ersten Blick unglaublich klingt: Ende 1989 entfielen rund 40 Prozent aller weltweiten Aktienwerte auf Japan. Der Nikkei brauchte danach 34 Jahre, um sein altes Hoch wieder zu erreichen. Das ist keine Prognose für die USA – die Wirtschaftslage ist eine völlig andere. Aber es ist ein Beleg dafür, dass Marktdominanz kein Naturgesetz ist.

Was Klumpenrisiko konkret bedeutet

Diversifikation soll dafür sorgen, dass nicht alles gleichzeitig fällt. Wenn aber ein Land drei Viertel des Depots stellt, eine Branche knapp ein Drittel und zehn Firmen mehr als ein Viertel, dann streut man weniger, als die Zahl „1.280 Unternehmen“ suggeriert. Die restlichen 1.270 Titel bewegen den Kurs nur noch am Rand.

Praktisch heißt das: Ein schwacher US-Dollar drückt die Rendite in Euro, auch wenn die Aktien in Dollar steigen. Eine Enttäuschung beim Thema KI trifft nicht nur einen Sektor, sondern den Index insgesamt. Und politische Entscheidungen in Washington – Zölle, Steuerrecht, Regulierung – wirken direkter auf die Altersvorsorge deutscher Sparer, als den meisten bewusst ist.

Für wen das wie relevant ist

Wenn du mit Mitte 20 gerade deinen ersten Sparplan aufgesetzt hast: Bleib dran. Bei einem Anlagehorizont von 30 oder 40 Jahren ist die aktuelle Länderaufteilung kein Grund zur Panik, und Marktanteile verschieben sich über solche Zeiträume ohnehin. Wichtiger ist, dass du überhaupt investierst und die Raten durchhälst. Trotzdem gilt: Wenn du dich gerade erst entscheidest, kannst du von Anfang an einen breiteren Index nehmen – das kostet nichts extra.

Für Millennials mit einem gewachsenen Depot ist die Frage praktischer. Wer seit 2015 einzahlt, hat einen erheblichen Buchgewinn – und ein Verkauf löst Abgeltungsteuer aus. Hier ist der Sparplan das bessere Werkzeug als die Umschichtung: neue Raten umlenken statt Bestehendes verkaufen.

Für die Sandwich-Generation ab 50 stellt sich die Frage anders. Wer in zehn Jahren mit der Entnahme beginnt, hat weniger Zeit, einen längeren Rückschlag auszusitzen. Hier zählt weniger die Feinjustierung der Laenderquote als die Frage, wie hoch die Aktienquote insgesamt noch sein darf und wie viel als Tagesgeld oder Anleihe daneben liegt.

Drei Wege, breiter aufzustellen

Erstens: der Wechsel auf einen umfassenderen Index. Der MSCI ACWI IMI enthält neben Industrieländern auch Schwellenländer und kleinere Unternehmen und deckt damit rund 99 Prozent des weltweiten Börsenwerts ab. Der Schwellenländer-Anteil liegt bei etwa 12 Prozent, der US-Anteil entsprechend niedriger. Auch der FTSE All-World funktioniert ähnlich. Das ändert das Bild nicht dramatisch – die USA bleiben dominant – aber es glättet die Spitzen.

Zweitens: gezielte Beimischung. Ein ETF auf den MSCI World ex USA oder auf Europa als Ergänzung senkt den US-Anteil bewusst. Das ist eine aktive Wette gegen die Marktgewichtung, und sie kann jahrelang Rendite kosten. Wer sie eingeht, sollte sie durchhalten können.

Drittens: gleichgewichtete oder faktorbasierte Varianten. Equal-Weight-Indizes geben jedem Unternehmen dasselbe Gewicht. Das reduziert die Konzentration deutlich, kostet aber mehr laufende Gebühr und erzeugt höhere Umschläge im Fonds.

Was in allen drei Fällen gilt: Ein zweiter ETF ist nur dann sinnvoll, wenn du ihn auch beim nächsten Rebalancing noch verstehst. Zwei Positionen, die du jährlich einmal anschaust, schlagen sechs, die du irgendwann ignorierst.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ist keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Kursverläufe der Vergangenheit sagen nichts über künftige Entwicklungen aus. Wertpapieranlagen können zu Verlusten führen. Für deine persönliche Situation wende dich an eine unabhängige Beraterin oder einen unabhängigen Berater.
Transparenz zu KI: Das Titelbild wurde mit KI erzeugt. Der Text entsteht KI-gestützt und wird vor der Veröffentlichung redaktionell geprüft; die inhaltliche Verantwortung trägt Dominic Schlosshauer (Impressum). Wie wir KI einsetzen, steht auf der Seite KI-Transparenz.

Quellen

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