Kaum ein Leiden ist so verbreitet wie dieses: Die meisten Menschen in Deutschland haben mindestens einmal im Leben Rückenschmerzen, viele immer wieder. In den Statistiken der Krankenkassen stehen Rückenbeschwerden Jahr für Jahr ganz oben bei den Krankmeldungen. Das Tückische: In den allermeisten Fällen findet sich keine ernste Ursache, Ärzte sprechen dann von „nicht-spezifischen“ Rückenschmerzen. Sie entstehen aus einem Alltag, der dem Rücken zu wenig bietet: zu viel Stillhalten, zu wenig Wechsel, zu schwache Muskeln. Genau deshalb lässt sich im Büro auch so viel dagegen tun.
Das eigentliche Problem: nicht das Sitzen, sondern das Verharren
Lange galt der Satz „Sitzen ist das neue Rauchen“. Genauer ist: Die Dauer am Stück macht das Problem. Der Rücken ist für Wechsel gebaut, Bandscheiben werden ernährt, indem sie be- und entlastet werden, wie ein Schwamm, der sich vollsaugt und wieder ausgedrückt wird. Wer acht Stunden nahezu regungslos in derselben Haltung verbringt, nimmt seinen Bandscheiben diesen Pumpmechanismus. Warum Dauersitzen auch darüber hinaus problematisch ist, haben wir im Artikel Langes Sitzen als Gesundheitsrisiko beleuchtet.
Die wirksamsten Gewohnheiten für den Büroalltag
- Alle 30 bis 60 Minuten die Position wechseln. Aufstehen beim Telefonieren, im Stehen lesen, den Drucker im Nachbarraum nutzen. Der beste Rhythmus ist der, der ohne Disziplin funktioniert, also an feste Anlässe gekoppelt ist.
- „Dynamisch sitzen“ statt kerzengerade. Die eine perfekte Sitzhaltung gibt es nicht. Erlaubt ist, was wechselt: mal angelehnt, mal aufrecht, mal nach vorn. Die beste Haltung ist immer die nächste.
- Kurze Übungs-Häppchen einbauen. Schulterkreisen, Aufrichten und Strecken, einmal tief in die Hocke, zwei Minuten pro Stunde summieren sich. Konkrete Übungen für zwischendurch zeigt unser Artikel Bewegung im Büroalltag.
- Den Arbeitsplatz einmal richtig einstellen. Bildschirm-Oberkante etwa auf Augenhöhe und eine Armlänge entfernt, Füße flach auf dem Boden, Ober- und Unterarme etwa im rechten Winkel, die Rückenlehne unterstützt die natürliche Krümmung der Lendenwirbelsäule. Das kostet zehn Minuten und keinen Cent, und entlastet jeden einzelnen Arbeitstag.
- Im Homeoffice die Sofa-Falle meiden. Wer dauerhaft vom Laptop am Küchentisch oder Sofa arbeitet, arbeitet in Dauerbeugung. Notlösung mit großer Wirkung: externe Tastatur und den Laptop erhöht stellen.
- Den Rücken stark machen, außerhalb des Büros. Eine kräftige Rumpfmuskulatur ist der beste Schutz vor dem nächsten „Hexenschuss“. Zweimal pro Woche gezielte Kräftigung reicht für einen spürbaren Effekt; auch zügiges Spazieren und Treppensteigen zahlen ein.
Was eher wenig bringt
Teure Spezialstühle, harte Matratzen-Dogmen und stützende Gurte für den Alltag halten selten, was die Werbung verspricht, keine Anschaffung ersetzt Bewegungswechsel und Muskulatur. Sinnvoll können dagegen kleine Ergonomie-Helfer sein, die den Wechsel erleichtern, etwa eine Lendenstütze oder ein Keilkissen, das aufrechtes Sitzen unterstützt. Sie sind Werkzeug, nicht Wundermittel.
Wann zum Arzt?
Nicht-spezifische Rückenschmerzen bessern sich meist innerhalb weniger Wochen von selbst, Bewegung beschleunigt das, Schonung verlängert es. Ärztlich abklären lassen solltest du Beschwerden, die länger anhalten oder sehr stark sind, sowie Warnzeichen wie Taubheitsgefühle, Lähmungserscheinungen, Fieber oder Schmerzen nach einem Sturz. Wie mentale Belastung körperliche Beschwerden verstärken kann, zeigt unser Artikel Stress abbauen; den Gesamtüberblick gibt der Leitfaden Gesund bleiben im Alltag.
Quellen
- gesund.bund.de: Rückenschmerzen – Ursachen und Behandlung
- Techniker Krankenkasse: Übungen für zwischendurch
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