Beim Depot schauen viele jeden Monat nach der Rendite. Beim eigenen Körper vergehen oft Jahre zwischen zwei Terminen. Dabei ist medizinische Vorsorge die einzige Anlage, bei der die Kasse den Beitrag komplett übernimmt, ohne Zuzahlung, ohne Selbstbeteiligung. Man muss den Termin nur machen. 2026 ist dafür ein gutes Jahr: Seit April gibt es eine komplett neue Kassenleistung, und bei der Darmkrebsvorsorge wurden die alten Ungleichbehandlungen von Männern und Frauen abgeräumt.
Der Check-up 35: alle drei Jahre zum Hausarzt
Die Basisuntersuchung heißt offiziell Gesundheits-Check-up. Ab 35 Jahren steht sie gesetzlich Versicherten alle drei Jahre zu, in der Hausarztpraxis. Untersucht wird auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Nierenprobleme und Diabetes: Blutdruck, Blutzucker, Cholesterinwerte, Urinstatus, dazu ein Gespräch über Lebensstil und Vorgeschichte. Wer zwischen 18 und 34 ist, hat einmalig Anspruch auf einen solchen Check.
Ein Detail, das viele nicht kennen: Im Rahmen des Check-ups ist einmal im Leben ein Screening auf Hepatitis B und C enthalten. Beide Infektionen verlaufen jahrzehntelang unbemerkt und schädigen in dieser Zeit die Leber. Wer ohnehin zum Check geht, sollte den Test aktiv ansprechen, er wird nicht immer von selbst angeboten.
Für die Sandwich-Generation heißt das konkret: drei Jahre sind schnell vorbei. Wenn du gerade Kinder in der Schule und Eltern mit Pflegebedarf betreust, ist die eigene Gesundheit der Posten, der am leisesten ausfällt, und am teuersten wird, wenn etwas schiefgeht.
Hautkrebs-Screening: ab 35, alle zwei Jahre
Ab dem vollendeten 35. Lebensjahr haben Frauen und Männer alle zwei Jahre Anspruch auf eine Ganzkörperuntersuchung der Haut, beim Hautarzt oder bei entsprechend geschulten Hausärztinnen. Abgerechnet wird über die Gesundheitskarte, es fällt nichts zu. Wer jünger ist und viele Muttermale, Sonnenbrände in der Kindheit oder Hautkrebs in der Familie hat, sollte das Thema trotzdem ansprechen, manche Kassen zahlen freiwillig früher.
Darmkrebs: seit 2025 gleiche Regeln für alle ab 50
Hier hat sich die wichtigste Änderung der letzten Jahre vollzogen. Früher durften Männer ab 50 zur Darmspiegelung, Frauen erst ab 55, eine Ungleichbehandlung ohne medizinische Begründung. Seit Januar 2025 gilt für beide dasselbe: Ab 50 stehen die gleichen Angebote offen. Alternativ zur Koloskopie gibt es einen Stuhltest auf verborgenes Blut, den Haus-, Frauen- und Urologenpraxen ausgeben.
Der entscheidende Vorteil der Darmspiegelung: Sie ist nicht nur Diagnose, sondern zugleich Behandlung. Polypen als Krebsvorstufen lassen sich direkt im selben Termin entfernen. Ist der Befund unauffällig, muss die Untersuchung erst nach zehn Jahren wiederholt werden. Zehn Jahre Ruhe für eine Untersuchung, so ein Verhältnis findet man selten.
Die Kassen laden mittlerweile aktiv ein: mit 50, 55, 60 und 65 Jahren kommt Post. Diese Briefe landen erfahrungsgemäß schnell im Stapel „später“. Es lohnt sich, sie nicht dorthin zu legen.
Neu seit April 2026: Lungenkrebs-Früherkennung für starke Raucher
Das ist die relevanteste Neuerung dieses Jahres. Seit April 2026 zahlt die gesetzliche Krankenkasse eine jährliche Untersuchung mit einer strahlungsarmen Computertomographie (Niedrigdosis-CT), allerdings nur für eine klar umrissene Gruppe.
- Alter zwischen 50 und 75 Jahren
- mindestens 25 Jahre lang geraucht
- rechnerisch mindestens 15 „Packungsjahre“ (etwa: 20 Zigaretten täglich über 15 Jahre)
- der Konsum dauert an oder wurde vor weniger als zehn Jahren beendet
- keine aktuellen Beschwerden
Lungenkrebs wird oft erst spät entdeckt, weil er lange keine Symptome macht, deshalb sind die Überlebensraten so schlecht. Ein Screening in einem Stadium, in dem noch operiert werden kann, verändert die Prognose erheblich. Durchführen dürfen die Untersuchung nur speziell fortgebildete Radiologinnen und Radiologen mit entsprechender Erfahrung. Wer die Kriterien erfüllt, spricht das Thema am besten beim nächsten Hausarzttermin an.
Was Frauen und Männer zusätzlich bekommen
Frauen ab 50 haben alle zwei Jahre Anspruch auf das Mammographie-Screening. Seit Juli 2024 gilt es bis zum Alter von 75 statt wie zuvor bis 69, rund 2,5 Millionen Frauen kamen dadurch neu hinzu. Der Gemeinsame Bundesausschuss prüft aktuell zusätzlich, ob die Untergrenze auf 45 Jahre gesenkt wird. Dazu kommt die gynäkologische Krebsfrüherkennung ab 20 sowie ab 35 der kombinierte Test auf Gebärmutterhalskrebs alle drei Jahre. Männer ab 45 haben jährlich Anspruch auf eine Untersuchung zur Früherkennung von Prostatakrebs.
Warum das auch eine Finanzfrage ist
Der offensichtliche Grund für Vorsorge ist Gesundheit. Der zweite ist ökonomisch und wird selten ausgesprochen: Eine früh erkannte Erkrankung kostet weniger Arbeitszeit, weniger Einkommensausfall und seltener eine Erwerbsminderung. Wer mit Mitte 50 einen Herzinfarkt erlebt, verliert im ungünstigen Fall die letzten und einkommensstärksten Jahre der Erwerbsbiografie, genau die Jahre, in denen viele erst richtig für die Rente sparen.
Für Millennials mit kleinen Kindern ist der Check-up 35 oft der erste Arzttermin seit Jahren, der nicht wegen eines akuten Problems stattfindet. Und wer Mitte 20 ist: Der einmalige Check zwischen 18 und 34 kostet nichts und liefert Ausgangswerte, mit denen sich spätere Ergebnisse überhaupt erst vergleichen lassen. Ein Baseline-Wert ist beim Blutdruck ähnlich nützlich wie beim Depot der Einstandskurs.