Kaum eine Fixkosten-Position lässt sich mit so wenig Aufwand senken wie Strom und Gas, und kaum eine wird so zuverlässig aufgeschoben. Die häufigsten Gründe: die Sorge, plötzlich ohne Strom dazustehen, die Angst vor Papierkram und die Vermutung, dass sich das alles kaum lohnt. Alle drei Gründe halten einer Prüfung nicht stand. Ohne Strom stehst du beim Wechsel nie da, den Papierkram erledigt weitgehend der neue Anbieter, und wer noch nie gewechselt hat, zahlt oft deutlich mehr als nötig, vor allem in der Grundversorgung. Hier ist der komplette Ablauf, inklusive der Fallen, auf die du achten solltest.
Warum sich der Blick auf den Tarif lohnt
Wer nie aktiv einen Vertrag abgeschlossen hat, etwa nach einem Umzug –, wird automatisch vom örtlichen Grundversorger beliefert. Das ist praktisch, aber die Grundversorgung gehört fast immer zu den teureren Tarifen am Ort. Auch alte Sonderverträge verlieren über die Jahre oft ihre Konkurrenzfähigkeit, weil Anbieter attraktive Konditionen vor allem Neukunden geben. Wie groß dein Einsparpotenzial ist, hängt von Region, Verbrauch und aktuellem Tarif ab, herausfinden lässt es sich nur durch Vergleichen. Dafür brauchst du genau zwei Angaben: deinen Jahresverbrauch in Kilowattstunden (steht auf der letzten Jahresabrechnung) und deine Postleitzahl.
So läuft der Wechsel ab
- 1. Tarif auswählen: Jahresverbrauch und Postleitzahl eingeben, Angebote vergleichen, dabei nicht stur das oberste Ergebnis nehmen, sondern die Filter bewusst setzen (dazu gleich mehr).
- 2. Neuen Vertrag abschließen: Online in wenigen Minuten. Du brauchst Zählernummer (steht am Zähler oder auf der Abrechnung) und Bankverbindung.
- 3. Kündigung läuft meist automatisch: In der Regel kündigt der neue Anbieter deinen alten Vertrag mit. Wichtige Ausnahme: Wenn du wegen einer Preiserhöhung per Sonderkündigungsrecht kündigst, solltest du selbst kündigen, da zählt jeder Tag der Frist.
- 4. Der technische Wechsel dauert 24 Stunden: Seit 2025 muss der eigentliche Lieferantenwechsel innerhalb eines Werktags vollzogen werden können, früher dauerte allein dieser Schritt Wochen. Die Kündigungsfrist deines alten Vertrags gilt natürlich trotzdem.
- 5. Zählerstand notieren: Am Stichtag den Zählerstand fotografieren und an beide Anbieter melden, so gibt es bei der Endabrechnung keine Schätz-Diskussionen.
Und die wichtigste Beruhigung: Eine Versorgungslücke ist gesetzlich ausgeschlossen. Klappt beim Wechsel irgendetwas nicht oder wird ein Anbieter zahlungsunfähig, springt automatisch der Grundversorger ein. Das Licht bleibt an, immer.
Worauf du beim Tarif achten solltest
- Neukundenbonus nüchtern rechnen: Hohe Boni machen Tarife im ersten Jahr künstlich günstig. Oft wird der Bonus erst nach zwölf Monaten ununterbrochener Belieferung ausgezahlt, und ab dem zweiten Jahr ist der Tarif teuer. Vergleiche immer den Preis ohne Bonus mit und plane den nächsten Wechsel gleich mit ein, wenn du einen Bonus-Tarif nimmst.
- Preisgarantie prüfen: „Eingeschränkte“ Garantien decken nur den Energieanteil ab, Steuern, Abgaben und Netzentgelte können trotzdem steigen. Eine echte Vollgarantie über die Laufzeit ist die verlässlichere Variante.
- Kurze Laufzeiten wählen: Zwölf Monate Erstlaufzeit sind ein guter Standard. Danach darf sich ein Vertrag zwar automatisch verlängern, muss dann aber monatlich kündbar sein, so bleibst du flexibel.
- Abschlag realistisch ansetzen: Ein verdächtig niedriger Monatsabschlag ist kein günstiger Tarif, sondern eine verschobene Nachzahlung. Der Jahrespreis zählt, nicht der Abschlag.
- Grundversorgung als Sprungbrett: Wer aktuell in der Grundversorgung steckt, kann dort mit einer Frist von nur zwei Wochen kündigen, dem schnellen Wechsel steht also nichts im Weg.
Sonderkündigungsrecht: Wenn der Anbieter die Konditionen ändert
Erhöht dein Anbieter die Konditionen, hast du ein Sonderkündigungsrecht zum Zeitpunkt des Wirksamwerdens der Änderung, unabhängig von der regulären Laufzeit. Anbieter müssen Erhöhungen vorab ankündigen; manche verpacken sie allerdings unauffällig in freundliche Schreiben („Anpassung Ihres Abschlags“). Deshalb lohnt es sich, Post vom Energieversorger nie ungelesen abzuheften. Wechseln, solange die Frist läuft, und die Kündigung in diesem Fall selbst schicken, per E-Mail oder Brief mit Bestätigung.
Strom und Gas sind der Klassiker unter den Fixkosten-Hebeln: einmal Aufwand, dauerhafte Wirkung. Wo sonst noch stille Kostenfresser sitzen, zeigt der Ratgeber Haushaltsbuch führen: einfach anfangen; das große Ganze sortiert der Leitfaden Finanzen für Einsteiger.
Quellen
- Bundesnetzagentur: Verbraucherportal Energie – Lieferantenwechsel und Verträge
- Verbraucherzentrale: Preise, Tarife und Anbieterwechsel bei Strom und Gas
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