Über die Riester-Rente wurde jahrelang gespottet: zu teuer, zu bürokratisch, zu mickrig in der Auszahlung. Jetzt ist es beschlossen, der Staat schafft einen Nachfolger. Am 8. Mai 2026 hat der Bundesrat das Altersvorsorge-Reformgesetz endgültig durchgewinkt. Ab dem 1. Januar 2027 gibt es zwei neue Bausteine: ein gefördertes Altersvorsorgedepot für Erwachsene und die Frühstart-Rente für Kinder. Was das konkret heißt und ob sich das für dich lohnt, schauen wir uns hier in Ruhe an.

Das Altersvorsorgedepot: endlich ETFs mit staatlicher Förderung

Der größte Kritikpunkt an Riester war die verpflichtende Beitragsgarantie. Weil am Ende jeder eingezahlte Euro garantiert werden musste, steckten die Anbieter das Geld überwiegend in sichere, aber renditeschwache Anlagen. Genau das fällt jetzt weg. Beim neuen Altersvorsorgedepot kannst du erstmals in Fonds und ETFs sparen und bekommst trotzdem eine staatliche Zulage, ohne dass eine Garantie die Rendite ausbremst.

Die Förderung funktioniert einfacher als früher. Für die ersten 3.000 Euro, die du im Jahr einzahlst, legt der Staat 50 Cent je Euro obendrauf. Für alles darüber, bis zu einem Höchstbeitrag von 3.000 bis rund 3.500 Euro, gibt es noch 25 Cent je Euro. In der Spitze sind so bis zu 540 Euro Grundzulage pro Jahr drin. Zum Vergleich: Bei Riester lag die Grundzulage bei mageren 175 Euro. Für jedes Kind kommt weiterhin eine Kinderzulage dazu, ein Euro Zuschuss je gespartem Euro, bis zu 300 Euro Eigenbeitrag pro Kind.

Besonders spannend ist die neue Flexibilität bei der Auszahlung. Riester zwang fast alle in eine lebenslange Rente mit oft enttäuschend niedrigen Monatsbeträgen. Beim Altersvorsorgedepot hast du künftig drei Optionen: einen Auszahlplan bis zum 85. Lebensjahr, eine lebenslange Rente oder eine Kombination aus beidem, dazu darfst du zu Beginn bis zu 30 Prozent des Kapitals auf einen Schlag entnehmen. Der Vorteil: Dein Geld kann länger investiert bleiben und weiterarbeiten, statt sofort in eine starre Versicherung zu wandern.

Frühstart-Rente: 10 Euro im Monat vom Staat fürs Kind

Der zweite Baustein richtet sich an die Jüngsten. Bei der Frühstart-Rente zahlt der Staat monatlich 10 Euro in ein Altersvorsorge-Depot für Kinder ein, vom 6. bis zum 18. Geburtstag, sofern das Kind eine Bildungseinrichtung in Deutschland besucht. Das Depot eröffnen die Eltern; einzahlen dürfen zusätzlich auch Großeltern, Paten oder später das volljährige Kind selbst. Das Kapital wird am Kapitalmarkt angelegt und bleibt bis zum Renteneintritt gesperrt.

Gestartet wird laut Eckpunktepapier der Bundesregierung mit dem Jahrgang, der 2026 sechs Jahre alt wird; ab 2029 sollen ältere Kinder bis 17 nachrücken. Klingt nach wenig? Die Rechnung dahinter ist verblüffend: Aus den rund 1.440 Euro staatlicher Einzahlung über zwölf Jahre können bei langfristiger Anlage und Zinseszins bis zum Rentenalter theoretisch mehr als 100.000 Euro werden, schlicht, weil das Geld sechzig Jahre Zeit hat zu wachsen. Wer als Eltern oder Großeltern noch ein paar Euro dazulegt, hebelt diesen Effekt zusätzlich.

Für welche Generation lohnt sich was?

Für die Sandwich-Generation (Gen X) ist vor allem die Frage relevant, was mit dem bestehenden Riester-Vertrag passiert. Die gute Nachricht: nichts Erzwungenes. Alte Verträge dürfen weiterbespart werden, es gibt keine automatische Kündigung oder Umwandlung. Wer aber ohnehin mit seinem teuren Riester hadert, kann ab 2027 prüfen, ob ein Wechsel ins Depotmodell mehr Rendite verspricht, gerade wenn bis zur Rente noch zehn oder fünfzehn Jahre bleiben.

Für Millennials ist die Reform doppelt interessant: Ihr könnt selbst ein Altersvorsorgedepot besparen und gleichzeitig für die Kinder die Frühstart-Rente nutzen. Wenn du mit Familie sowieso schon in einen ETF-Sparplan einzahlst, lohnt der Blick, ob die staatliche Zulage den geförderten Rahmen für dich attraktiver macht. Und für die Gen Z gilt: Wer jetzt Anfang zwanzig ist und mit dem ersten Gehalt startet, hat den mit Abstand größten Hebel. Ein früher Start von 30 oder 50 Euro im Monat plus Zulage bringt über vier Jahrzehnte mehr als jede spätere Aufholjagd. Das oft gehörte Argument „Auf die gesetzliche Rente kann ich eh nicht bauen“ spricht nicht gegen Vorsorge, es spricht dafür, sie früh selbst in die Hand zu nehmen.

Was noch offen ist

Ein paar Details werden sich erst zeigen, wenn die konkreten Produkte 2027 auf den Markt kommen. Entscheidend wird, wie günstig die Anbieter die Depots gestalten, hohe Gebühren haben schon Riester ruiniert. Achte später auf breit streuende, kostengünstige ETFs und niedrige laufende Kosten. Auch die genaue steuerliche Behandlung in der Auszahlphase solltest du im Blick behalten, denn Zulagen und Erträge werden im Alter versteuert. Wer unsicher ist, ob sich ein Wechsel oder ein Neuabschluss rechnet, fährt gut damit, die eigene Situation einmal mit einer unabhängigen Beratung durchzurechnen, statt vorschnell einen Vertrag zu unterschreiben.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Angaben zur Reform beruhen auf dem Stand von Mitte 2026; Details der ab 2027 verfügbaren Produkte können abweichen. Entscheidungen zur Altersvorsorge solltest du auf deine persönliche Situation abstimmen.

Quellen

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