Es gibt wenige Posten in der Steuererklärung, die so viel bringen und so oft verschenkt werden wie die Kinderbetreuung. Dabei hat der Gesetzgeber die Regel zum 1. Januar 2025 spürbar verbessert, und sie gilt unverändert auch für die Erklärung, die viele Familien jetzt machen. Wer Kita-Beiträge, Tagesmutter oder Hort zahlt, kann sich einen Teil davon über die Steuer zurückholen. Die Spielregeln sind erfreulich klar.
Die Regel seit 2025: 80 Prozent von maximal 6.000 Euro
Kinderbetreuungskosten zählen als Sonderausgaben (§ 10 Abs. 1 Nr. 5 EStG). Anerkannt werden 80 Prozent der Aufwendungen, höchstens 4.800 Euro pro Kind und Jahr, das entspricht Betreuungskosten von 6.000 Euro. Bis Ende 2024 galten nur zwei Drittel und maximal 4.000 Euro; die Erhöhung ist also bares Geld. Der Betrag senkt das zu versteuernde Einkommen: Bei einem Grenzsteuersatz von 30 Prozent bringen voll ausgeschöpfte 4.800 Euro rund 1.440 Euro Steuerersparnis, pro Kind, jedes Jahr.
Voraussetzungen: Das Kind gehört zum eigenen Haushalt und ist unter 14 Jahre alt (bei Kindern mit Behinderung, die vor dem 25. Geburtstag eingetreten ist, ohne Altersgrenze). Eingetragen wird alles in der Anlage Kind der Einkommensteuererklärung.
Welche Kosten zählen, und welche nicht
Absetzbar ist die reine Betreuung, also die Unterbringung und Beaufsichtigung des Kindes:
- Kita-, Kindergarten- und Krippenbeiträge
- Tagesmutter oder Tagesvater
- Hort und Nachmittagsbetreuung an der Schule
- Babysitter im Privathaushalt, auch als Minijob angemeldet
- Au-pair (anteilig, soweit Kinderbetreuung vereinbart ist)
- Ferienbetreuung, soweit es um Beaufsichtigung geht
Nicht absetzbar sind dagegen Verpflegungskosten (das Kita-Essen wird auf der Rechnung meist separat ausgewiesen, nur der Betreuungsanteil zählt), Nachhilfe, Musikschule, Sportverein und sonstige Freizeitkurse. Faustregel des Finanzamts: Beaufsichtigung ja, Unterricht und Essen nein.
Die zwei Formfehler, die richtig Geld kosten
Das Finanzamt erkennt Betreuungskosten nur an, wenn zwei Bedingungen erfüllt sind: Es gibt eine Rechnung (bei Kita und Hort reicht der Beitragsbescheid, beim Babysitter ein Vertrag oder eine Quittungsrechnung), und die Zahlung lief unbar, also per Überweisung, Dauerauftrag oder Lastschrift. Bar bezahlte Betreuung ist steuerlich verloren, selbst mit Quittung. Wer die Babysitterin also bisher mit Scheinen aus dem Portemonnaie bezahlt, verschenkt Jahr für Jahr die Absetzbarkeit, eine simple Überweisung löst das Problem.
Zweiter Stolperstein: Zahlt der Arbeitgeber einen steuerfreien Kindergartenzuschuss, wird dieser von den absetzbaren Kosten abgezogen. Der Zuschuss ist trotzdem fast immer das bessere Geschäft, er kommt zu 100 Prozent an, während die Steuer nur einen Teil zurückgibt.
Beispielrechnung für eine typische Familie
Kita-Beitrag 350 Euro im Monat, davon 60 Euro Essensgeld: Es zählen 290 Euro Betreuungsanteil, also 3.480 Euro im Jahr. Dazu regelmäßiger Babysitter für 500 Euro jährlich per Überweisung, macht 3.980 Euro Betreuungskosten. Davon 80 Prozent: 3.184 Euro Sonderausgaben. Bei 30 Prozent Grenzsteuersatz kommen rund 955 Euro zurück. Das ist mehr als ein Monat Kita, für zwanzig Minuten Aufwand in der Anlage Kind.
Ins Familien-Gesamtbild einordnen
Die Betreuungskosten sind ein Baustein von mehreren: Das Kindergeld 2026 läuft unabhängig davon weiter, beim Elterngeld entscheidet die richtige Planung vor der Geburt über tausende Euro, und wie man die laufenden Posten sortiert, steht im Leitfaden zum Familienbudget. Wer alle Belege ohnehin digital ablegt, hat die Steuererklärung im Februar in einem Rutsch fertig.