Das Risiko ist größer, als die meisten denken

Statistisch wird etwa jeder Vierte im Lauf des Arbeitslebens berufsunfähig. Das Bild, das dabei im Kopf entsteht, stimmt allerdings selten: Die meisten denken an einen Unfall auf dem Bau. Tatsächlich sind psychische Erkrankungen die häufigste Ursache, gefolgt von Erkrankungen des Skeletts und des Bewegungsapparats sowie Krebserkrankungen. Unfälle machen nur einen kleinen Teil aus.

Das hat eine wichtige Folge: Auch wer im Büro sitzt und keinen körperlich riskanten Beruf ausübt, ist betroffen. Die Vorstellung, das Risiko treffe nur Handwerker, ist einer der Gründe, warum viele die Absicherung aufschieben. Wie eng Belastung und Gesundheit zusammenhängen, zeigen die Beiträge zu Stress im Alltag und zum Burnout.

Was der Staat zahlt – und was nicht

Die staatliche Absicherung heißt Erwerbsminderungsrente, und schon der Name deutet den Unterschied an: Sie fragt nicht, ob du deinen erlernten Beruf noch ausüben kannst, sondern ob du überhaupt noch arbeiten kannst – in irgendeiner Tätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. Wer weniger als drei Stunden täglich arbeiten kann, bekommt die volle Rente. Zwischen drei und sechs Stunden gibt es die halbe. Wer sechs Stunden und mehr schafft, bekommt nichts, auch wenn der erlernte Beruf unmöglich geworden ist.

Erwerbsminderungsrente: Anspruch und Höhe

Durchschnittswerte, Stand 2026. Die individuelle Höhe hängt von den eingezahlten Beiträgen ab.

Restliches LeistungsvermögenAnspruchHöhe im Schnitt
unter 3 Stunden täglichvolle Erwerbsminderungsrentegut 1.000 € brutto im Monat
3 bis unter 6 Stundenhalbe Erwerbsminderungsrenteentsprechend rund die Hälfte
6 Stunden und mehrkein Anspruch

Gut 1.000 Euro brutto sind der Durchschnitt – brutto, davon gehen noch Kranken- und Pflegeversicherung ab, und je nach Gesamtsituation Steuern. Wer davon Miete, Lebenshaltung und laufende Verträge bezahlen soll, merkt schnell, dass das keine Absicherung ist, sondern eine Notbremse.

Was eine BU kostet

Der Beitrag hängt vor allem an drei Dingen: Beruf, Eintrittsalter und Höhe der vereinbarten Rente. Die Spanne ist entsprechend groß – je nach Konstellation liegt sie zwischen rund 25 und knapp 200 Euro im Monat. Für eine kaufmännische Angestellte mit 25 Jahren und 1.500 Euro BU-Rente sind etwa 40 bis 70 Euro im Monat üblich. Ein Handwerker im selben Alter zahlt für denselben Schutz oft das Drei- bis Vierfache, weil sein Risiko höher liegt.

Daraus folgt die wichtigste Regel: früh abschließen. Der Beitrag richtet sich nach dem Eintrittsalter und bleibt dann stabil – wer mit 25 abschließt, zahlt dauerhaft weniger als jemand, der mit 40 einsteigt. Und noch entscheidender: Mit den Jahren kommen Vorerkrankungen dazu, die zu Ausschlüssen, Zuschlägen oder einer Ablehnung führen können. Gesundheit ist bei diesem Vertrag die eigentliche Währung.

Reihenfolge der Absicherung

Erst der Notgroschen für kurze Ausfälle, dann die Absicherung existenzieller Risiken wie Berufsunfähigkeit, dann der Vermögensaufbau. Wer in umgekehrter Reihenfolge anfängt, baut auf Sand.

Worauf es im Vertrag wirklich ankommt

  • Verzicht auf abstrakte Verweisung – der Versicherer darf dich dann nicht auf einen anderen Beruf verweisen, den du theoretisch noch ausüben könntest. Das ist der wichtigste Punkt überhaupt.
  • Ausreichende Höhe – als Orientierung gelten etwa 70 bis 80 Prozent des Nettoeinkommens, damit nach Abgaben genug bleibt.
  • Laufzeit bis zum Rentenbeginn – ein Vertrag, der mit 60 endet, lässt genau die Jahre offen, in denen das Risiko am höchsten ist.
  • Nachversicherungsgarantie – erlaubt es, die Rente bei Heirat, Kind oder Gehaltssprung ohne neue Gesundheitsprüfung zu erhöhen.
  • Ehrliche Gesundheitsangaben – Verschweigen führt im Leistungsfall zum Verlust des Schutzes. Lieber ein Ausschluss im Vertrag als eine Ablehnung bei der Auszahlung.

Wer den Beitrag dauerhaft nicht stemmen kann, sollte nicht auf den Schutz verzichten, sondern die vereinbarte Rente kleiner ansetzen. Eine niedrige BU ist deutlich besser als keine. Und wer generell prüft, wo im Haushalt Luft ist, findet den systematischen Weg im Beitrag zur 50-30-20-Regel und im Leitfaden Finanzen für Einsteiger.

Hinweis: Dieser Beitrag bietet allgemeine Orientierung und ersetzt keine individuelle Versicherungs- oder Finanzberatung. Beiträge und Bedingungen unterscheiden sich stark je nach Anbieter und persönlicher Situation; eine unabhängige Beratung ist bei diesem Vertrag besonders sinnvoll.

Quellen

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