„Die Börse steigt doch immer weiter – da kann man gar nichts falsch machen.“ Diesen Satz hört man in jeder Boom-Phase. Man hörte ihn auch in den späten 1920er-Jahren, den „Goldenen Zwanzigern“. Bis der Herbst 1929 zeigte, wie teuer dieser Irrtum werden kann.

Das ist Station 5 unserer „Finanz-Weltreise mit Theo & Mara“. Und keine andere Station macht unseren roten Faden so schmerzhaft deutlich: Geld ist nie nur Geld. Es ist Macht, Politik – und manchmal Krieg.

Die Party auf Pump

In den 1920ern erlebten vor allem die USA einen gewaltigen Aufschwung. Immer mehr Menschen entdeckten die Börse für sich – auch solche, die vom Investieren wenig verstanden. Das eigentliche Problem war nicht die Begeisterung, sondern wie gekauft wurde: auf Kredit.

Viele Anleger kauften Aktien „auf Marge“, also größtenteils mit geliehenem Geld. Solange die Kurse stiegen, funktionierte das wunderbar: Man verdiente an Aktien, die einem gar nicht voll gehörten. Doch dieser Hebel wirkt in beide Richtungen. Fallen die Kurse, bleiben die Schulden – in voller Höhe.

Die zeitlose Lehre

Schulden vergrößern Gewinne – und Verluste. Wer mit geliehenem Geld spekuliert, kann schon durch eine normale Kursdelle zahlungsunfähig werden, lange bevor sich der Markt erholt. Das ist der Kern dessen, was 1929 aus einer Korrektur eine Katastrophe machte.

Schwarzer Donnerstag, Schwarzer Dienstag

Ende Oktober 1929 kippte die Stimmung. Am 24. Oktober („Schwarzer Donnerstag“) setzte eine erste Verkaufswelle ein. Der endgültige Zusammenbruch kam am 29. Oktober 1929, dem „Schwarzen Dienstag“: Panikverkäufe rissen die Kurse in die Tiefe. Wer auf Pump gekauft hatte, musste verkaufen – was die Kurse weiter drückte. Eine Abwärtsspirale.

Der Crash blieb nicht an der Wall Street. Banken, die sich verspekuliert hatten oder deren Kunden zahlungsunfähig wurden, gerieten in Not. Es kam zu Bankenpleiten, Unternehmen brachen zusammen, Fabriken schlossen. Auf dem Höhepunkt der Weltwirtschaftskrise war in den USA rund jeder vierte Erwerbsfähige ohne Arbeit.

Vom Börsencrash zur Weltkatastrophe

Jetzt kommt der bittere Teil. Die Krise schwappte nach Europa und traf Deutschland besonders hart. Millionen wurden arbeitslos, ganze Existenzen zerbrachen. Diese wirtschaftliche Verzweiflung wurde zum Nährboden für politischen Extremismus – und half den Nationalsozialisten entscheidend an die Macht.

So spannt sich ein Bogen, den man kaum glauben mag: von Aktien auf Kredit in New York bis zum Weg in den Zweiten Weltkrieg. Nicht, weil eine Börse allein einen Krieg auslöst – sondern weil wirtschaftliche Not Gesellschaften erschüttert und Türen öffnet, die besser geschlossen geblieben wären.

Was heißt das für dich heute? Nicht, dass die Börse böse ist – sondern dass zwei Dinge gefährlich sind: Schulden und Herdentrieb. Wer breit gestreut, langfristig und mit eigenem Geld investiert, macht das genaue Gegenteil dessen, was 1929 so viele ruinierte. Mehr dazu in unserem Ratgeber zu ETFs und breit gestreutem Investieren.

Unsere Weisheit zum Mitnehmen passt perfekt zu jeder Blase – sie stammt von Warren Buffett: „Sei ängstlich, wenn andere gierig sind, und gierig, wenn andere ängstlich sind.“ Mehr Vorbilder findest du auf unserer Empfehlungen-Seite.

Hinweis: Allgemeine Information und Wirtschaftsgeschichte, keine Anlageberatung. Historische Wirtschaftsdaten sind Näherungswerte. Investitionen an der Börse sind mit Risiken bis zum Totalverlust verbunden; triff Anlageentscheidungen nur nach eigener Prüfung oder mit unabhängiger Beratung.

Quellen