Ein Klick, und die neuen Sneaker sind unterwegs, bezahlt wird „später“ oder „in drei Raten“. Was beim Online-Shopping inzwischen normaler wirkt als die sofortige Überweisung, hat einen Namen: Buy Now, Pay Later, kurz BNPL. Praktisch ist das, keine Frage. Aber gerade weil es sich nicht wie ein Kredit anfühlt, rutschen viele unbemerkt in genau das hinein. Und die Zahlen zeigen: Wer betroffen ist, ist oft jung.

Wie groß der Trend wirklich ist

BNPL ist längst Mainstream. Laut einer Umfrage der Schufa haben rund 27 Prozent der Befragten in den vergangenen sechs Monaten die Funktion „Später bezahlen“ genutzt, weitere 22 Prozent eine Ratenzahlung beim Online-Einkauf. Besonders verbreitet ist das in der Altersgruppe der 18- bis 34-Jährigen, also genau dort, wo das eigene Finanzmanagement oft noch nicht eingespielt ist.

Der Schufa Risiko- und Kreditkompass zeichnet ein deutliches Bild: 2024 wurden erstmals über zehn Millionen neue Ratenkredite abgeschlossen, ein Plus von rund 50 Prozent gegenüber 2020. Am stärksten wuchsen die kleinen Beträge: Die Zahl aktiver Ratenkredite unter 1.000 Euro stieg von 1,3 Millionen im Jahr 2020 auf 3,8 Millionen im Jahr 2024. Das sind genau die typischen BNPL-Käufe, Kleidung, Elektronik, Kosmetik. Viele kleine Summen, die einzeln harmlos wirken.

Warum das Aufschieben so leicht süchtig macht

Das Problem ist selten die einzelne Rate. Es ist die Summe vieler paralleler Zahlungen, die man irgendwann nicht mehr im Kopf hat. Wer drei Jacken bei verschiedenen Händlern auf Raten kauft, hat schnell sechs oder neun offene Beträge mit unterschiedlichen Fälligkeiten, und verliert den Überblick. Die Schufa-Umfrage ist hier alarmierend: Unter den BNPL-Nutzern gaben 44 Prozent zu, schon einmal mindestens eine Zahlungsfrist verpasst zu haben. Rund die Hälfte berichtete von Situationen, in denen sie offene Rechnungen trotz Mahnung nicht begleichen konnten.

Auch die Finanzaufsicht BaFin warnt: Etwa jeder Siebte verliert beim Konsum auf Kredit zeitweise den Überblick. Und verpasste Zahlungen bleiben nicht folgenlos. Mahngebühren kommen oben drauf, und melden Anbieter die Zahlungsstörung an eine Auskunftei wie die Schufa, sinkt der Score. Das wird dann zum echten Problem, wenn später ein Handyvertrag, eine Mietwohnung oder eine Baufinanzierung ansteht, Dinge, bei denen die Bonität plötzlich zählt.

Für Gen Z: Es ist ein Kredit, auch wenn es sich nicht so anfühlt

Wenn du Mitte 20 bist und gerade mit eigenem Geld startest, ist BNPL verführerisch: kein Zins, kein Papierkram, und das Geld bleibt erstmal auf dem Konto. Der psychologische Trick dahinter ist alt, die Bezahlung tut weniger weh, wenn sie in der Zukunft liegt. Genau deshalb geben Menschen mit „Später bezahlen“ im Schnitt mehr aus, als sie es bar oder per Lastschrift täten. Die ehrliche Frage ist nicht „Kann ich die erste Rate stemmen?“, sondern „Hätte ich das auch gekauft, wenn ich heute den vollen Preis überweisen müsste?“ Wenn die Antwort nein lautet, ist der Button ein Warnsignal, kein Vorteil.

Für Millennials und Familien: das Klumpenrisiko im Alltag

In der Familienphase läuft vieles parallel: Kinderkleidung, Möbel, die neue Waschmaschine. BNPL verteilt diese Ausgaben elegant, aber es kaschiert auch, ob das Haushaltsbudget sie überhaupt trägt. Wer mehrere Ratenkäufe gleichzeitig laufen hat, bindet einen Teil des nächsten Monatseinkommens, bevor der überhaupt da ist. Das ist heikel, wenn unerwartet eine größere Ausgabe dazwischenkommt. Ein simpler Schutz: Offene „Später bezahlen“-Beträge gehören in dieselbe Übersicht wie Miete und Abos, nicht in einen mentalen Sonderbereich, in dem sie unsichtbar bleiben.

Was sich ab November 2026 ändert

Hier gibt es eine gute Nachricht. Mit der Umsetzung der zweiten EU-Verbraucherkreditrichtlinie (CCD II) gelten ab dem 20. November 2026 deutlich strengere Regeln. BNPL-Angebote werden rechtlich weitgehend wie klassische Kredite behandelt, unabhängig vom Betrag, also auch bei Kleinstkrediten unter 200 Euro. Anbieter wie Klarna oder PayPal müssen dann vor Vertragsschluss eine Kreditwürdigkeitsprüfung durchführen und dürfen nur noch finanzieren, wenn die Rückzahlung wahrscheinlich ist. Daten aus sozialen Netzwerken oder Gesundheitsdaten sind dabei ausdrücklich tabu.

Für dich als Nutzer besonders relevant: Du bekommst ein 14-tägiges Widerrufsrecht, genau wie beim normalen Ratenkredit. Wer also vorschnell zugesagt hat, kann den Vertrag binnen zwei Wochen ohne Angabe von Gründen rückgängig machen. Das schließt eine Lücke, durch die bisher viele unbedacht in Zahlungsverpflichtungen gerutscht sind.

Praktische Leitplanken

Ein paar einfache Gewohnheiten halten BNPL im harmlosen Bereich: Führe eine Liste aller offenen Ratenkäufe mit Fälligkeitsdatum, idealerweise mit einem Dauerauftrag oder einer Erinnerung. Begrenze dich auf höchstens einen laufenden Ratenkauf gleichzeitig. Nutze „Später bezahlen“ nur für Dinge, die du dir auch sofort leisten könntest, als Komfort, nicht als Finanzierung. Und prüfe einmal im Jahr deine Schufa-Selbstauskunft, die einmal jährlich kostenlos ist, um böse Überraschungen früh zu erkennen.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Für individuelle Entscheidungen wende dich bitte an eine unabhängige Beratungsstelle, etwa die Verbraucherzentrale oder eine anerkannte Schuldnerberatung.

Quellen