Eine schlanke Dose, ein süßer Kick, wach in Sekunden, Energydrinks gehören für viele zum Alltag wie das Handy in der Hosentasche. Vor der Klausur, in der Spätschicht, beim Zocken bis nachts. Doch 2026 wird in Deutschland ernsthaft darüber gestritten, ob man diese Getränke überhaupt noch an Kinder und Jugendliche verkaufen darf. Höchste Zeit für einen nüchternen Blick: Wie viel Koffein ist wirklich drin, ab wann wird es kritisch, und für wen?
Wie viel Koffein steckt eigentlich in einer Dose?
Energydrinks dürfen in der EU maximal 320 Milligramm Koffein pro Liter enthalten, üblich sind rund 32 Milligramm pro 100 Milliliter. Klingt harmlos, rechnet sich aber schnell hoch: Eine kleine 250-ml-Dose bringt etwa 80 Milligramm mit, die große 500-ml-Dose rund 160 Milligramm. Zum Vergleich: Eine Tasse Filterkaffee liegt je nach Stärke bei etwa 80 bis 120 Milligramm.
Der Unterschied liegt weniger in der Menge pro Schluck als im Trinkverhalten. Kaffee trinkt man heiß und langsam, oft bleibt es bei einer Tasse. Eine kalte, zuckersüße Dose kippt man in ein paar Minuten, und die zweite steht schon bereit. Genau das macht Energydrinks bei jungen Menschen zur unterschätzten Koffeinquelle.
Wo liegt die Grenze? Was die Behörden sagen
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hält für gesunde Erwachsene bis zu 400 Milligramm Koffein pro Tag für unbedenklich, verteilt über den Tag. Eine Einzeldosis von bis zu 200 Milligramm, etwa 3 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht, gilt ebenfalls als unproblematisch. Wichtig: Das ist die Gesamtmenge aus allen Quellen, also Kaffee, Cola, Schokolade und eben Energydrinks zusammen.
Für Kinder und Jugendliche gibt es keine eigene abgesicherte Obergrenze, weil die Datenlage dünn ist. Als Orientierung gelten dieselben 3 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag. Und hier wird es interessant: Ein 13-Jähriger mit rund 50 Kilogramm liegt bei 150 Milligramm, diese Grenze ist mit einer einzigen großen Dose bereits erreicht oder überschritten. Genau darauf weist das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hin.
Wenn du mit Mitte 20 zur Dose greifst
Für gesunde Erwachsene sind ein bis zwei Energydrinks am Tag in der Regel kein Drama, solange nicht noch drei Kaffee dazukommen. Wer allerdings zu Herzstolpern, innerer Unruhe oder Schlafproblemen neigt, spürt Koffein deutlicher. Und Koffein hat eine lange Halbwertszeit: Der Drink um 17 Uhr wirkt bei vielen noch um Mitternacht nach. Wer schlecht einschläft, sollte hier zuerst ansetzen, bevor teure Schlafgadgets ins Haus kommen.
Besonders heikel ist die Kombination mit Alkohol, der Klassiker auf Partys. Das Koffein überdeckt die Müdigkeit, man fühlt sich fitter, als man ist, und trinkt tendenziell mehr. Das Herz-Kreislauf-System bekommt damit zwei gegenläufige Signale gleichzeitig. Fachleute raten von dieser Mischung ausdrücklich ab.
Warum die Debatte gerade jetzt hochkocht
Energydrinks sind kein Nischenprodukt mehr. Nach Daten der EFSA konsumieren rund zwei von drei Jugendlichen zwischen 10 und 18 Jahren solche Getränke, sie sind damit die Hauptzielgruppe. In Deutschland gelten bis zu 6,6 Prozent der Teenager als „Hochkonsumenten“, die die von der EFSA genannten Koffeinmengen regelmäßig überschreiten.
Das BfR hat gemeinsam mit der Berliner Charité von 2022 bis 2024 die sogenannte EDKAR-Studie durchgeführt. Untersucht wurde, wie sich chronisch hoher Energydrink-Konsum auf das Herz-Kreislauf-System von 15- bis 18-Jährigen auswirkt. Als „Hochkonsument“ galt, wer die Getränke seit mindestens einem Jahr an mindestens vier Tagen pro Woche trank und darüber mehr als 3 Milligramm Koffein pro Kilogramm aufnahm. Mögliche Folgen von zu viel Koffein bei Jugendlichen sind Herzrasen, erhöhter Blutdruck, Nervosität und Schlafstörungen.
Politisch hat sich daraus eine handfeste Auseinandersetzung entwickelt. Schleswig-Holstein will den Verkauf von Energydrinks an Unter-16-Jährige verbieten und dafür eine Initiative im Bundesrat starten. Verbraucherorganisationen wie foodwatch fordern seit Jahren eine Altersgrenze, Petitionen sammeln Zehntausende Unterschriften. Ein bundesweites Verkaufsverbot gibt es bislang aber nicht, rechtlich darf jeder Energydrinks kaufen, unabhängig vom Alter.
Für die Sandwich-Generation: das Gespräch zu Hause
Wenn du Kinder im Teenageralter hast, ist ein Verbot per Ansage selten die beste Idee, es macht die Dose eher spannender. Hilfreicher ist Wissen: gemeinsam ausrechnen, wie viel Koffein in einer Dose steckt, und es ins Verhältnis setzen. Wer versteht, dass zwei große Dosen für einen schmalen 13-Jährigen schon über der Empfehlung liegen, entscheidet oft von selbst bewusster. Und ganz nebenbei sind Energydrinks auch fürs Budget ein Fass ohne Boden: Zwei Dosen am Tag summieren sich schnell auf 60 bis 80 Euro im Monat, Geld, das auf einem Sparplan deutlich mehr Freude machen würde.
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