Zehn Euro im Monat vom Staat, direkt für die Rente deines Kindes, und das über zwölf Jahre hinweg. Was nach einer netten Geste klingt, ist eines der größten familienpolitischen Vorhaben dieser Legislaturperiode. Am 17. Dezember 2025 hat das Bundeskabinett die Eckpunkte für die sogenannte Frühstart-Rente beschlossen. Für Eltern, Großeltern und alle, die früh an übermorgen denken, lohnt sich ein nüchterner Blick: Was steckt drin, was bringt es realistisch, und wo sollte man nicht zu viel erwarten?
Wie die Frühstart-Rente funktionieren soll
Die Idee ist im Kern schlicht. Vom sechsten bis zum 18. Lebensjahr zahlt der Staat für jedes Kind zehn Euro im Monat in ein privates, kapitalgedecktes Altersvorsorgedepot ein. Die Eltern eröffnen dieses Depot bei einem Anbieter ihrer Wahl, Bank, Broker oder Versicherer. Das Geld wird also nicht auf einem Sparbuch geparkt, sondern am Kapitalmarkt angelegt, typischerweise in Fonds oder ETFs.
Über die maximale Förderdauer von zwölf Jahren kommen so 1.440 Euro staatliches Kapital zusammen, deshalb ist oft von rund 1.500 Euro Startkapital die Rede. Ab dem 18. Geburtstag ist Schluss mit der staatlichen Zahlung, aber das Depot bleibt bestehen. Von da an können junge Erwachsene selbst weiter einzahlen, bis zu einem jährlichen Höchstbetrag. Im Gespräch ist eine Grenze von rund 1,5 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze, das wären 2026 grob 1.500 Euro im Jahr oder etwa 125 Euro im Monat. Ein wichtiger Punkt: Die Erträge im Depot bleiben bis zum Renteneintritt steuerfrei. Erst wenn das Geld im Alter ausgezahlt wird, greift die Steuer.
Warum der Zinseszins hier der eigentliche Star ist
1.440 Euro klingen erst mal nach wenig. Der Clou steckt aber nicht in der Summe, sondern in der Zeit. Wenn du mit sechs Jahren anfängst und das Geld bis 67 liegen lässt, arbeitet der Zinseszins über sechs Jahrzehnte. Eine grobe Modellrechnung: Werden die staatlichen Beiträge mit durchschnittlich sechs Prozent pro Jahr verzinst und bis zum Rentenalter nicht angerührt, kann aus den eingezahlten 1.440 Euro über die Jahrzehnte ein Betrag im Bereich von 25.000 bis 40.000 Euro werden, abhängig von Rendite, Kosten und Laufzeit. Fast alles davon ist reiner Wertzuwachs.
Für die Generation Z heißt das: Genau dieser Effekt ist der Grund, warum „früh anfangen“ bei der Geldanlage kein Kalenderspruch ist, sondern Mathematik. Und für Millennials mit kleinen Kindern ist die Frühstart-Rente ein Anlass, das Thema Kinderdepot überhaupt einmal anzugehen, ob mit oder ohne staatliche Zehn-Euro-Spritze.
Wer profitiert, und ab wann es losgeht
Das Gesetz ist noch nicht beschlossen; das soll im Laufe des Jahres 2026 passieren. Geplant ist ein gestaffelter Start. Kinder, die 2020 geboren wurden, sollen die Förderung rückwirkend ab 2027 bekommen. Danach kommt jedes Jahr ein jüngerer Jahrgang hinzu, jeweils die Kinder, die im betreffenden Jahr sechs Jahre alt werden. Langfristig soll also jedes Schulkind in Deutschland die zehn Euro erhalten, unabhängig vom Einkommen der Eltern.
Gerade dieser letzte Punkt ist politisch gewollt und gleichzeitig umstritten. Befürworter sagen: Ein Angebot für alle nimmt Kindern aus einkommensschwachen Familien die Hürde, überhaupt Zugang zum Kapitalmarkt zu bekommen, und nebenbei lernt eine ganze Generation, wie ein Wertpapierdepot funktioniert.
Die Kritik: gut gemeint, aber teuer und ungenau
So charmant die Idee ist, die Fachwelt hat Einwände. Der Sozialbeirat der Bundesregierung warnt vor hohen Gesamtkosten, unnötiger Bürokratie und sogenannten Mitnahmeeffekten. Der Kernvorwurf: Weil das Geld an alle fließt, profitieren auch wohlhabende Familien, die ohnehin für ihre Kinder sparen. Pro Kind ist der Effekt gering, in der Summe über alle Jahrgänge geht es aber um Milliarden.
Dazu kommt eine schlichte Wahrheit, die man Kindern und Enkeln ehrlich sagen sollte: Zehn Euro im Monat lösen das Rentenproblem nicht. Die Frühstart-Rente ersetzt weder die gesetzliche Rente noch eigenes Sparen. Sie ist ein Anschub, kein Auskommen. Wer wirklich etwas aufbauen will, muss die staatliche Basis später mit eigenen Einzahlungen ergänzen, und genau daran hängt, ob am Ende ein nettes Extra oder ein echter Baustein steht.
Für die Sandwich-Generation, die häufig gleichzeitig für Kinder und alternde Eltern sorgt, ist das eine entlastende Nachricht und eine Mahnung zugleich: Ein Teil der Vorsorge für die Jüngsten übernimmt künftig der Staat, aber die Verantwortung fürs Gesamtbild bleibt in der Familie.
Was du jetzt schon tun kannst
Auf das Gesetz zu warten, ist keine Voraussetzung, um zu handeln. Ein Kinderdepot lässt sich heute schon eröffnen, und der Effekt ist derselbe: Zeit im Markt schlägt das perfekte Timing. Wer etwa einen Teil des Kindergeldes monatlich in einen breit gestreuten Welt-ETF anlegt, nutzt denselben Zinseszins, den die Frühstart-Rente politisch ausbuchstabiert. Kommt die staatliche Förderung, ist sie ein willkommenes Extra obendrauf, und du hast die Mechanik längst verstanden.