Zwei Prozent Inflation klingen nach Entwarnung, schließlich lagen die Raten vor wenigen Jahren noch deutlich höher. Doch für dein Erspartes ist auch eine „normale“ Inflation ein stiller Gegner: Liegt das Geld unverzinst auf dem Girokonto, verliert es Jahr für Jahr rund zwei Prozent Kaufkraft. Das klingt wenig, summiert sich aber gnadenlos. Aus 10.000 Euro werden bei zwei Prozent Inflation nach zehn Jahren real nur noch etwa 8.200 Euro Kaufkraft, nach zwanzig Jahren rund 6.700 Euro, ohne dass auf dem Kontoauszug auch nur ein Euro fehlt. Genau deshalb lohnt es sich, das Ersparte einmal bewusst zu sortieren.
Der Denkfehler: Nominale Zahlen statt realer Kaufkraft
Unser Gehirn schaut auf den Kontostand, nicht auf das, was man dafür bekommt. Ökonomen nennen das Geldillusion. Entscheidend ist aber die reale Rendite: Zins minus Inflation. Ein Tagesgeldkonto mit 2,5 Prozent Zinsen bei 2 Prozent Inflation erhält die Kaufkraft und legt ein kleines Plus drauf. Ein Girokonto mit null Prozent verliert dagegen die volle Inflationsrate, jedes Jahr aufs Neue. Die gute Nachricht: Seit die EZB die Zinswende eingeleitet hat und den Einlagensatz zuletzt wieder angehoben hat, gibt es für Tagesgeld und Festgeld wieder ernstzunehmende Zinsen. Wer sein Geld noch zu Nullzinsen liegen lässt, verschenkt bares Geld.
Schritt 1: Sortiere dein Geld in drei Töpfe
- Topf 1, Alltagsgeld (Girokonto): ein bis zwei Monatsausgaben für Miete, Einkäufe und laufende Rechnungen. Mehr muss hier nicht liegen, dieses Geld „arbeitet“ nicht, das ist sein Job.
- Topf 2, Notgroschen (Tagesgeld): drei bis sechs Monatsausgaben als eiserne Reserve für kaputte Waschmaschine, Autoreparatur oder Jobverlust. Täglich verfügbar, aber verzinst. Wie du die richtige Höhe bestimmst, liest du im Artikel zum Notgroschen.
- Topf 3, Langfrist-Geld: alles, was du in den nächsten Jahren sicher nicht brauchst. Nur dieser Topf hat überhaupt die Chance, die Inflation langfristig zu schlagen.
Schritt 2: Für Topf 2 die Zinsen vergleichen
Die Unterschiede beim Tagesgeld sind erstaunlich groß: Während Hausbanken oft weiter kaum etwas zahlen, liegen die besten Angebote spürbar darüber, teils mit Neukunden-Aktionen, teils dauerhaft. Ein Vergleich dauert wenige Minuten und bringt bei 20.000 Euro Reserve schnell mehrere hundert Euro Zinsen im Jahr. Wichtig: Nur Banken mit gesetzlicher Einlagensicherung wählen (in der EU sind 100.000 Euro pro Person und Bank geschützt). Wer einen Teil der Reserve länger entbehren kann, holt mit Festgeld noch etwas mehr heraus, die Abwägung zeigt unser Vergleich Tagesgeld oder Festgeld.
Denk auch an den Freistellungsauftrag: 1.000 Euro Zinserträge pro Person (2.000 Euro bei Paaren) bleiben steuerfrei, aber nur, wenn du den Auftrag bei der Bank auch stellst.
Schritt 3: Langfrist-Geld breit streuen
Hier die unbequeme Wahrheit: Tagesgeld allein schlägt die Inflation auf Dauer selten deutlich. Nach Abzug von Steuern bleibt real oft nur eine schwarze Null. Wer Vermögen über zehn, zwanzig Jahre aufbauen will, kommt an den Kapitalmärkten kaum vorbei, etwa mit einem breit gestreuten Welt-ETF, der historisch langfristig deutlich über der Inflationsrate rentierte, dafür aber zwischenzeitliche Kursschwankungen mitbringt. Wie der Einstieg funktioniert, erklärt unser Leitfaden zum ETF-Sparplan für Einsteiger. Wichtig ist die Reihenfolge: erst Notgroschen, dann langfristig investieren, niemals umgekehrt.
Wovon du die Finger lassen solltest
Inflationsangst ist ein Lieblingswerkzeug zweifelhafter Anbieter. Skeptisch solltest du werden bei allem, was „inflationssicher“ im Namen trägt und hohe „garantierte“ Renditen verspricht: exotische Sachwert-Beteiligungen, überteuerte Münz-Abos oder Krypto-Angebote mit Renditeversprechen. Auch Gold ist kein Zinsersatz, es kann als kleine Beimischung dienen, schwankt aber stark und wirft weder Zinsen noch Dividenden ab. Faustregel: Was du nicht in zwei Sätzen erklären kannst, kaufst du nicht. Einen Überblick über seriöse Grundlagen gibt die Übersichtsseite Sparen & Schulden.
Quellen
- Statistisches Bundesamt: Verbraucherpreisindex und Inflationsrate
- Deutsche Bundesbank: Zinssätze und Renditen
- Verbraucherzentrale: Sparen und Anlegen
Ersparte Zinsen: erst mal vergleichen
Die Konditionen ändern sich laufend. Ein aktueller Vergleich zeigt dir das beste Tagesgeld für deine Situation.
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