Gleicher Job, gleicher Einsatz, gleiche Jahre im Berufsleben, und am Ende trotzdem deutlich weniger Rente. Für viele Frauen ist das keine Statistik, sondern gelebte Realität. Der sogenannte Gender Pension Gap, die Rentenlücke zwischen den Geschlechtern, hält sich in Deutschland hartnäckig. Und er trifft besonders die Generation, die heute mitten im Familien- und Berufsleben steht und gleichzeitig oft schon die eigenen Eltern mitversorgt.

Wie groß die Lücke wirklich ist

Frauen ab 65 Jahren erhielten laut Statistischem Bundesamt zuletzt im Schnitt rund 1.820 Euro brutto Alterseinkünfte pro Monat, bei Männern waren es rund 2.400 Euro. Das entspricht einem Gender Pension Gap von etwa 24 Prozent, wenn man alle Alterseinkünfte einschließlich der Hinterbliebenenrenten mitrechnet. Klammert man diese abgeleiteten Ansprüche aus und schaut nur auf das, was Frauen selbst erarbeitet haben, liegt die Lücke sogar bei rund 37 Prozent.

Dieser Unterschied ist wichtig: Ein großer Teil der weiblichen Alterseinkünfte stammt aus Witwenrenten, also aus dem Erwerbsleben des Ehepartners. Fällt diese Absicherung weg, etwa bei Ledigen, Geschiedenen oder wenn der Partner selbst nur wenig eingezahlt hat, zeigt sich die eigentliche Größe des Problems. Die Folge ist messbar: Rund 21,6 Prozent der Frauen ab 65 galten zuletzt als armutsgefährdet, bei Männern waren es 17,1 Prozent.

Woher die Lücke kommt

Die Rentenlücke fällt nicht vom Himmel, sie ist das Ergebnis vieler kleiner Weichenstellungen über ein ganzes Erwerbsleben hinweg. Der wichtigste Faktor ist die unbezahlte Sorgearbeit. Wer wegen Kindern oder pflegebedürftiger Angehöriger den Job pausiert, reduziert oder in Teilzeit wechselt, zahlt in dieser Zeit weniger oder gar nicht in die Rentenkasse ein. Die gesetzliche Rente belohnt aber genau das Gegenteil: viele Beitragsjahre mit möglichst hohem Einkommen.

Dazu kommt der Gender Pay Gap. Frauen verdienten zuletzt pro Stunde im Schnitt rund 16 Prozent weniger als Männer. Weniger Lohn heißt automatisch weniger Rentenpunkte. Und weil Frauen häufiger in Teilzeit, in schlechter bezahlten Branchen und seltener in Führungspositionen arbeiten, summieren sich diese Effekte über Jahrzehnte zu einer beträchtlichen Lücke. Für die Sandwich-Generation heißt das konkret: Wer heute Anfang 50 ist, die Teenager noch im Haus hat und nebenbei die eigene Mutter unterstützt, spürt den doppelten Druck, auf Zeit und auf die spätere Rente.

Was Frauen selbst tun können

Die gute Nachricht: Man ist der Lücke nicht hilflos ausgeliefert. Einige Stellschrauben lassen sich schon mit überschaubarem Aufwand drehen.

  • Erwerbsminderung vermeiden, wo möglich: Jede zusätzliche Stunde Erwerbsarbeit und jedes Jahr in Vollzeit statt Teilzeit wirkt sich direkt auf die Rentenpunkte aus. Gerade beim Wiedereinstieg nach der Familienphase lohnt es sich, die Stundenzahl bewusst zu erhöhen, sobald es die Lebenssituation zulässt.
  • Rentensplitting prüfen: Verheiratete Paare können ihre gemeinsam erworbenen Rentenansprüche hälftig aufteilen. Das kann sinnvoll sein, wenn ein Partner deutlich mehr eingezahlt hat. Bislang nutzen das jährlich weniger als 1.000 Paare, oft aus Unkenntnis. Eine Beratung bei der Deutschen Rentenversicherung schafft Klarheit.
  • Freiwillige Beiträge und eigene Vorsorge: Wer Lücken im Versicherungsverlauf hat, kann freiwillig einzahlen. Ergänzend hilft ein eigener, auf den eigenen Namen laufender Sparplan, etwa ein breit gestreuter ETF-Sparplan. Schon kleine Beträge entfalten über viele Jahre eine spürbare Wirkung.
  • Vorsorge zur Partnerschaftssache machen: Wenn ein Partner beruflich zurücksteckt, sollte der andere einen Ausgleich einzahlen, am besten schriftlich vereinbart. Mündliche Zusagen sind im Ernstfall, etwa bei einer Trennung, kaum durchsetzbar.

Und für die Jüngeren: Wenn du mit Mitte 20 anfängst, ist Zeit dein größter Verbündeter. Ein eigenes Depot, auf deinen Namen, unabhängig von einer späteren Beziehung, ist eine der wirksamsten Versicherungen gegen die Rentenlücke. Es geht nicht darum, sofort viel zu sparen, sondern früh anzufangen und dranzubleiben. Gen Z ist ohnehin skeptisch gegenüber dem Versprechen der gesetzlichen Rente, diese Skepsis lässt sich produktiv in eigene Vorsorge umlenken.

Warum das alle angeht

Der Gender Pension Gap ist nicht nur ein Frauenthema. In Partnerschaften trägt am Ende der Haushalt gemeinsam die Folgen, wenn ein Einkommen im Alter wegbricht. Und gesellschaftlich ist Altersarmut teuer, über Grundsicherung und Pflegekosten zahlen am Ende alle mit. Wer heute bewusst plant, wer Sorgearbeit fair verteilt und finanziell absichert, verringert nicht nur ein persönliches Risiko, sondern setzt auch ein Zeichen dafür, dass unbezahlte Arbeit nicht länger im Ruhestand bestraft werden sollte.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Für individuelle Entscheidungen zu Rente und Vorsorge wende dich bitte an die Deutsche Rentenversicherung oder eine unabhängige Beratungsstelle.

Quellen

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