Es beginnt fast immer gleich: Der Herbst zieht ins Land, in der Apotheke hängen die ersten Plakate, und irgendwer in der Familie fragt: „Soll ich mich eigentlich impfen lassen?“ Die vergangene Grippesaison 2025/2026 hat gezeigt, warum diese Frage keine Kleinigkeit ist. Sie fiel schwerer aus als die beiden Jahre zuvor, mit einer höheren Rate an Krankenhausaufenthalten und mehr gemeldeten Todesfällen. Höchste Zeit, sich vor der Saison 2026/2027 in Ruhe damit zu beschäftigen. Besonders, wenn du, wie viele in der Sandwich-Generation, nicht nur an dich selbst denkst, sondern auch an Kinder und alternde Eltern.

Warum die Grippe kein „starker Schnupfen“ ist

Eine echte Influenza ist etwas anderes als ein Erkältungsvirus. Sie kommt oft plötzlich, mit hohem Fieber, Gliederschmerzen und einer Erschöpfung, die einen Erwachsenen tagelang flachlegt. Das Robert Koch-Institut geht davon aus, dass in der Saison 2025/2026 rund 7,2 Millionen Menschen in Deutschland an einer akuten Atemwegserkrankung mit Fieber erkrankt waren; rund 150.000 Influenzafälle wurden dem RKI seit Ende September 2025 offiziell gemeldet, die tatsächliche Zahl liegt deutlich höher, weil längst nicht jeder Fall im Labor bestätigt wird.

Vorherrschend waren dabei Influenza-A(H3N2)-Viren. Gerade dieser Subtyp trifft ältere Menschen oft hart. Für alle, die zuhause pflegebedürftige Angehörige haben, ist das ein wichtiger Punkt: Man selbst übersteht eine Grippe vielleicht mit ein paar unangenehmen Tagen im Bett, aber man kann sie unbemerkt weitertragen.

Für wen die STIKO die Impfung empfiehlt

Die Ständige Impfkommission (STIKO) spricht keine pauschale Empfehlung für alle aus, sondern nennt klar definierte Gruppen, für die der Nutzen besonders groß ist:

  • alle Menschen ab 60 Jahren
  • chronisch Kranke jeden Alters (etwa bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Asthma oder geschwächtem Immunsystem)
  • Schwangere
  • Bewohnerinnen und Bewohner von Alten- und Pflegeheimen
  • medizinisches Personal und Menschen mit vielen Personenkontakten
  • Angehörige und Pflegende von Risikopersonen

Neu ist für 2026: Die STIKO empfiehlt die jährliche Grippeimpfung nun auch für Menschen, die regelmäßig engen Kontakt zu Schweinen, Geflügel, Wildvögeln oder Robben haben, beruflich wie privat. Hintergrund ist die weltweite Ausbreitung von Vogelgrippe-Subtypen. Wer im Nebenerwerb Hühner hält oder auf dem Hof mitarbeitet, sollte das im Hinterkopf behalten.

Ein Punkt, der oft untergeht und gerade für die mittlere Generation zählt: Auch wer selbst kerngesund ist, aber mit einem pflegebedürftigen Elternteil unter einem Dach lebt oder es regelmäßig besucht, gehört zur empfohlenen Gruppe. Die Impfung schützt dann nicht nur dich, sondern indirekt die Person, die eine Grippe am wenigsten verkraften würde.

Der beste Zeitpunkt: Oktober und November

Nach der Impfung braucht der Körper rund zwei Wochen, um den vollen Schutz aufzubauen. Deshalb gelten Oktober und November als ideales Fenster, früh genug, um vor der typischen Grippewelle im Winter geschützt zu sein, aber nicht so früh, dass der Schutz zum Saisonende nachlässt. Wer den Herbst verpasst hat, sollte die Impfung trotzdem nachholen: Auch eine Impfung im Dezember oder Januar ist immer noch besser als gar keine, solange die Welle noch läuft.

Ehrlich bleiben gehört dazu: Kein Grippeimpfstoff schützt zu hundert Prozent, und die Wirksamkeit schwankt von Saison zu Saison, je nachdem wie gut die Impfstoff-Zusammensetzung zu den zirkulierenden Viren passt. Für Menschen ab 60 Jahren empfiehlt die STIKO deshalb ausdrücklich Hochdosis-Impfstoffe oder Präparate mit Wirkverstärker, weil das alternde Immunsystem auf Standardimpfstoffe schwächer anspricht. Auch eine Impfung, die eine Erkrankung nicht komplett verhindert, kann den Verlauf deutlich milder machen, und genau das entscheidet im Alter oft über einen Krankenhausaufenthalt.

Was kostet das, und zahlt die Kasse?

Für alle, für die die Impfung empfohlen ist, übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten vollständig. Das gilt für die genannten Risikogruppen genauso wie für Pflegende. Interessant für Jüngere: Auch wenn du unter 60 und gesund bist und damit nicht offiziell zur Zielgruppe gehörst, bieten viele Kassen die Grippeimpfung inzwischen freiwillig als Satzungsleistung an. Ein kurzer Anruf oder Blick in die App der eigenen Krankenkasse klärt, ob du sie ohne Zuzahlung bekommst. Die Impfung selbst gibt es beim Hausarzt, beim Betriebsarzt und mittlerweile in vielen Apotheken.

Die Impflücke, ein unterschätztes Risiko

Das eigentlich Alarmierende steckt in den Impfquoten. In der Saison 2024/25 ließen sich nur noch 34 Prozent der über 60-Jährigen gegen Grippe impfen, der niedrigste Stand seit 17 Jahren. Fachleute warnen deutlich, dass diese Lücke gerade die Menschen ungeschützt lässt, die am stärksten gefährdet sind. Wenn du zur Generation X gehörst und deine Eltern in genau diesem Alter sind, kann ein Gespräch am Küchentisch mehr bewirken als jedes Plakat: Viele Ältere lassen sich nicht impfen, weil es schlicht keiner anspricht.

Und für die Jüngeren, die Millennials mit kleinen Kindern und die Gen Z im ersten Job? Ihr gehört selten zu den offiziellen Risikogruppen. Aber ihr seid oft das Bindeglied: zwischen Kita, Großraumbüro und dem Besuch bei Oma. Eine Impfung ist hier weniger Selbstschutz als Rücksicht auf die, die es härter treffen würde.

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Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Ob eine Grippeimpfung für dich sinnvoll ist und welcher Impfstoff infrage kommt, besprichst du am besten mit deiner Hausärztin oder deinem Hausarzt.
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Quellen