Paris, Anfang des 18. Jahrhunderts: Frankreich ist nach den Kriegen des Sonnenkönigs hoch verschuldet, das Land klamm, das Vertrauen erschöpft. In diese Lage tritt ein Mann mit einer verblüffend modernen Idee – und einem gefährlichen Hang zum Spiel. Sein Name: John Law.

Das ist eine Station unserer Reihe „Die Geschichte des Geldes“. Nach der Tulpenmanie in Holland geht die Reise weiter zur ersten großen Blase, die auf einer neuen Erfindung beruhte: staatlichem Papiergeld.

Ein Spieler mit einer Vision

John Law war Schotte, begabter Kopf für Zahlen und Wahrscheinlichkeiten – und leidenschaftlicher Glücksspieler. Nach einem tödlich ausgegangenen Duell floh er vom europäischen Festland und reifte dabei eine Überzeugung aus: Der ewige Mangel an Gold- und Silbermünzen bremse den Handel. Seine Lösung klang revolutionär – Geld solle nicht länger aus knappem Edelmetall bestehen, sondern aus Papierscheinen, gedeckt durch das Vertrauen in eine Bank.

Am französischen Hof fand er endlich Gehör. Der Regent, der für den noch jungen König regierte, war verzweifelt genug, es mit Laws Ideen zu versuchen.

Die Bank und die Wundermaschine

Law gründete eine Bank, die Papiernoten ausgab – zunächst mit Erfolg, denn die Scheine waren praktischer als Säcke voller Münzen. Bald wurde daraus eine königliche Bank, faktisch die Notenbank des Staates. Der zweite Baustein war eine gewaltige Handelsgesellschaft, die das französische Kolonialgebiet am Mississippi ausbeuten sollte – das sagenhafte „Louisiana“.

Nun verzahnte Law beides: Wer Aktien seiner Gesellschaft kaufte, konnte mit dem neuen Papiergeld bezahlen – und die Bank druckte fleißig neues Geld, mit dem wieder Aktien gekauft wurden. Eine sich selbst befeuernde Maschine.

Der Rausch

Die Rechnung schien aufzugehen. Der Kurs der Aktie kletterte vom Ausgabepreis auf ein Vielfaches, in der Spitze auf das rund Zwanzigfache. In den engen Gassen von Paris drängten sich Adlige und Dienstboten, um Anteile zu ergattern. Über Nacht entstand ein Wort, das die Welt bis heute benutzt: der „Millionär“.

Doch niemand fragte mehr, ob hinter den Kolonien am Mississippi tatsächlich Reichtümer lagen – oder ob der Wert nur noch aus der Erwartung bestand, morgen teurer verkaufen zu können. Genau das ist der Kern jeder Blase.

Weisheit zum Mitnehmen

„Das Geld der Zittrigen kommt zu den Hartgesottenen.“ – André Kostolany. In der Panik verlieren die Nervösen, die Ruhigen sammeln ein. Wer im Rausch nur auf steigende Kurse setzt, hat keinen Plan, sondern eine Wette.

Der Zusammenbruch

Als die Ersten misstrauisch wurden und ihre Scheine wieder in echte Münzen tauschen wollten, zeigte sich: So viel Gold hatte die Bank nie besessen. Das Vertrauen kippte, alle wollten gleichzeitig aussteigen, der Kurs stürzte ins Bodenlose. Das Papiergeld wurde wertlos, unzählige Vermögen lösten sich auf.

John Law musste aus Frankreich fliehen und starb einige Jahre später verarmt im Ausland. Das Land war so gründlich abgeschreckt, dass es dem Wort „Bank“ über Generationen misstraute.

Die Mississippi-Blase ist die Brücke zwischen zwei Lektionen: Sie teilt mit der Tulpenmanie den kollektiven Rausch – und nimmt mit dem hemmungslosen Gelddrucken bereits vorweg, was zwei Jahrhunderte später in der Hyperinflation von 1923 in noch größerem Maßstab geschah. Papiergeld funktioniert nur so lange, wie man ihm vertraut.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Orientierung und der historischen Einordnung. Er ist keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Investitionsentscheidungen sollten stets auf Ihrer persönlichen Situation beruhen.

Quellen