Sobald man beim Anlegen etwas tiefer einsteigt, tauchen Strategien auf: Die einen schwören auf Dividenden, die anderen auf stures Halten, wieder andere auf Wachstum. Welche ist richtig? Die ehrliche Antwort: keine ist für alle richtig – aber man kann sie klug kombinieren. Dieser Artikel begleitet unsere Folge aus dem ETF-Einmaleins.
Die drei Wege im Überblick
- Dividendenstrategie – gezielt auf Aktien oder ETFs setzen, die regelmäßig ausschütten. Ziel: ein laufender Geldstrom. Reiz: Es fühlt sich wie passives Einkommen an. Haken: Eine hohe Dividendenrendite allein sagt nichts über die Qualität eines Unternehmens.
- Buy-and-Hold – ein breiter Welt-ETF, Sparplan drauf, liegen lassen. Langweilig, aber über die Jahre außerordentlich wirkungsvoll, weil der Zinseszins arbeitet und kaum Kosten anfallen. Für die meisten das solide Fundament.
- Growth / Wachstum – gezielt auf wachstumsstarke Firmen oder Branchen setzen. Höhere Chancen, aber deutlich stärkere Schwankungen. Die Würze, nicht das Hauptgericht.
Der Denkfehler bei der Dividende
Weil die Dividendenstrategie besonders viele Anhänger hat, lohnt ein genauer Blick: Eine Ausschüttung ist kein zusätzlicher Gewinn. Am Ausschüttungstag sinkt der Kurs rechnerisch um den ausgeschütteten Betrag – das Geld wandert aus dem Unternehmen auf dein Konto, dein Gesamtvermögen ist im Moment der Zahlung unverändert. Der Unterschied zu einem thesaurierenden ETF liegt also nicht im Ertrag, sondern darin, wann du das Geld in der Hand hast.
Das macht die Strategie nicht schlecht. Für viele ist ein sichtbarer, regelmäßiger Zufluss psychologisch wertvoll – er hilft, im Kursrückgang nicht zu verkaufen. Nur sollte man wissen, wofür man sich entscheidet: für ein Gefühl von Regelmäßigkeit, nicht für mehr Rendite. Und Vorsicht bei sehr hohen Dividendenrenditen: Oft sind sie kein Zeichen von Stärke, sondern die Folge eines gefallenen Kurses.
Core-Satellite: kombinieren statt entscheiden
Du musst dich gar nicht für einen Weg entscheiden. Die Idee heißt Core-Satellite: Der Core – der große, ruhige Teil deines Depots – ist ein breiter Welt-ETF im Buy-and-Hold. Er hält dich stabil und breit gestreut. Die Satelliten – ein kleiner Teil drumherum – sind gezielte Akzente: ein Dividenden-ETF für den Geldstrom, eine Growth-Position für die Extra-Chance, meinetwegen ein Branchen- oder Regionen-ETF.
Als Core taugen laut Verbraucherzentrale nur wirklich breite Indizes: Der MSCI World umfasst rund 1.500 Unternehmen aus etwa zwei Dutzend Industrieländern; der MSCI All Country World und der FTSE All-World nehmen zusätzlich Schwellenländer auf und eignen sich damit als Basis einer langfristig gestreuten Anlage.
Wie groß darf der Satellitenanteil sein?
Faustwerte zur Orientierung – keine Empfehlung. Entscheidend ist, was du in einem schlechten Jahr aushältst.
| Aufteilung | Für wen | Was das bedeutet |
|---|---|---|
| 100 % Core | Wer es einfach und ruhig will | Ein breiter Welt-ETF. Völlig ausreichend – der Normalfall, nicht der Notbehelf. |
| 90 / 10 | Erste Schritte über den Core hinaus | Ein Satellit kann sich halbieren, ohne dass es das Depot spürbar trifft. |
| 80 / 20 | Wer bewusst Akzente setzen will | Die Obergrenze für die meisten. Erfordert, dass man die Satelliten wirklich im Blick behält. |
| Über 30 % Satelliten | Kaum jemand | Dann bestimmen die Wetten das Ergebnis, nicht mehr der breite Markt. |
Die wichtigste Regel: Satelliten klein halten
Der Core ist groß und wird nicht angefasst, die Satelliten bleiben klein. So kann dich kein einzelner Fehlgriff umwerfen: Bricht eine Growth-Wette ein, trägt dich der breite Core weiter.
Der typische Fehler ist, dass die Satelliten heimlich immer größer werden – nicht durch Zukäufe, sondern durch Kursgewinne. Genau die Position, die gerade am besten läuft, wächst über ihr Zielgewicht hinaus, und damit steigt unbemerkt das Risiko. Das Gegenmittel heißt Rebalancing: einmal im Jahr prüfen, ob die Aufteilung noch der ursprünglichen entspricht, und gegebenenfalls zurückschichten. Ein Termin im Jahr genügt.
Was die Strategien kosten – und warum das so viel ausmacht
Kosten sind der einzige Teil der Rendite, den du wirklich beeinflussen kannst. Die Verbraucherzentrale nennt hier deutliche Unterschiede: Klassische Aktienfonds kommen inklusive versteckter Kosten oft auf über zwei Prozent im Jahr, während die jährlichen Kosten breiter ETFs häufig bei rund 0,2 Prozent des angelegten Kapitals liegen – und ein Ausgabeaufschlag entfällt.
Für Core-Satellite heißt das: Der Core sollte immer aus der günstigen, breiten Kategorie kommen. Spezialisierte Satelliten-ETFs sind oft teurer – das kann man bewusst in Kauf nehmen, sollte es aber wissen und den Anteil entsprechend klein halten. Bei der Auswahl zählen neben den laufenden Kosten vor allem ein ausreichend großes Fondsvolumen und ein breiter, nachvollziehbarer Index.
Frag dich, was die Position im Depot leisten soll und woran du merken würdest, dass sie es nicht tut. Wer das nicht beantworten kann, kauft keine Strategie, sondern eine Stimmung – und verkauft sie im nächsten Rücksetzer wieder.
Drei Fehler, die immer wieder passieren
1. Aus dem Satelliten wird der Core
Was gut läuft, wirkt richtig – und wird nachgekauft. Am Ende steht ein Depot, das sich breit gestreut anfühlt, aber an drei Technologiewerten hängt. Deshalb: Zielgewichte aufschreiben, bevor es emotional wird.
2. Doppelt halten, ohne es zu merken
Viele Satelliten stecken bereits im Core. Wer zum Welt-ETF einen US-Technologie-ETF legt, erhöht ein Gewicht, das er ohnehin schon trägt – der Effekt ist größer, als die zehn Prozent vermuten lassen. Ein Blick in die größten Positionen beider Fonds klärt das in fünf Minuten.
3. Ständig umbauen
Jede Umschichtung kostet Gebühren und löst gegebenenfalls Steuern auf Gewinne aus. Die Strategie wirkt über Jahre, nicht über Quartale. Wer alle paar Monate die Aufteilung ändert, zahlt für seine eigene Ungeduld.
Welcher Typ bist du?
Zwei Fragen reichen zur Einordnung: Wie viel Schwankung halte ich nachts aus – und wofür investiere ich, für den ruhigen Aufbau oder für laufendes Einkommen?
Wer es einfach mag, bleibt beim reinen Core: ein breiter Welt-ETF, Sparplan, fertig. Das ist keine Sparversion der Strategie, sondern für die meisten Anlegerinnen und Anleger die vernünftigste Lösung. Die Satelliten sind ein Angebot, kein Muss. Ob dein bestehendes Depot noch zu dir passt, kannst du mit den Fragen aus dem Depot-Check durchgehen.
Einen Baustein haben wir hier ausgelassen – etwas, das gar keine Aktie ist: Gold. Ob Edelmetalle als Krisen-Baustein ins Depot gehören, klären wir im Beitrag Gehört Gold ins Depot?.
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Lena und Finn über drei Strategien und wie du sie mit Core-Satellite kombinierst – im Podcast „LF Talk“.
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- ETF-Kauf: Auf diese Kriterien sollten Sie achten (Verbraucherzentrale)
- Investieren in Aktien-ETFs: So streuen Sie das Risiko richtig (Verbraucherzentrale)
- Welche Vorteile und Nachteile haben ETFs? (Verbraucherzentrale)
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