Ein neugeborenes Kind bringt vieles durcheinander, auch die Finanzen. Zwischen Windeln, Elternzeit und Kita-Beiträgen denkt kaum jemand ans Depot. Dabei ist der Moment nach der Geburt aus einer Sicht ideal: Es liegen fast zwei Jahrzehnte bis zur Volljährigkeit vor euch, und in kaum einem anderen Fall hat der Zinseszins so viel Zeit zu arbeiten. Wer früh und regelmäßig einen kleinen Betrag anlegt, kann zum 18. Geburtstag ein fünfstelliges Polster übergeben, oft mit erstaunlich wenig Aufwand.
Warum die Zeit der entscheidende Faktor ist
Seit Januar 2026 gibt es 259 Euro Kindergeld pro Kind und Monat. Schon ein Teil davon reicht, um sichtbar etwas aufzubauen. Rechnen wir konservativ mit einer durchschnittlichen Rendite von sechs Prozent pro Jahr, ein Wert, mit dem etwa Finanztip langfristig für breit gestreute Aktien-ETFs kalkuliert: Wer ab der Geburt 50 Euro monatlich in einen Welt-ETF spart, hat nach 18 Jahren rund 19.000 Euro angespart, bei eingezahlten 10.800 Euro. Bei 100 Euro im Monat werden daraus etwa 38.700 Euro, bei 150 Euro rund 58.000 Euro.
Der Unterschied zwischen Einzahlung und Endsumme ist der Zinseszins, und der wird größer, je länger das Geld liegt. Genau deshalb schlägt ein früher Start mit kleinen Beträgen fast immer den späten Start mit großen. Wer erst mit zehn Jahren beginnt, muss die dreifache Sparrate aufbringen, um am Ende beim selben Betrag zu landen.
Kinderdepot oder Eltern-Depot, wo ist der Unterschied?
Ihr könnt das Geld grundsätzlich auf zwei Wegen anlegen: in einem Depot auf euren eigenen Namen, das ihr „gedanklich“ fürs Kind führt, oder in einem echten Kinderdepot (Junior-Depot), das auf den Namen des Kindes läuft. Beides hat Vor- und Nachteile.
Ein Depot auf den Namen des Kindes bringt einen handfesten Steuervorteil: Jedes Kind hat einen eigenen Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro pro Jahr, bis zu dem Kapitalerträge steuerfrei bleiben, vorausgesetzt, ihr stellt beim Anbieter einen Freistellungsauftrag. Weil das Kind meist keine weiteren Einkünfte hat, kommt oben drauf noch der Grundfreibetrag, der 2026 bei 12.348 Euro liegt. In der Praxis lassen sich so jährlich hohe Kapitalerträge komplett steuerfrei realisieren. Bei sehr großen Depots hilft zusätzlich eine Nichtveranlagungsbescheinigung (NV-Bescheinigung) vom Finanzamt.
Der Haken: Rechtlich gehört das Geld im Kinderdepot dem Kind. Mit 18 kann es frei darüber verfügen, ob das dann in die Ausbildung fließt oder in ein Auto, liegt nicht mehr in eurer Hand. Wer die Kontrolle behalten möchte, ist mit einem Depot auf eigenen Namen flexibler, verschenkt aber die zusätzlichen Freibeträge des Kindes.
Die Stolperfalle Familienversicherung
Ein Punkt, den viele übersehen: Kinder sind in der Regel beitragsfrei über die Eltern in der gesetzlichen Krankenkasse familienversichert. Das bleibt so, solange das regelmäßige Einkommen des Kindes 2026 nicht über 565 Euro im Monat liegt. Kapitalerträge zählen dabei mit, allerdings erst der Teil oberhalb des Sparerpauschbetrags von 1.000 Euro.
Für einen normalen Sparplan über 50 bis 150 Euro im Monat ist das über viele Jahre kein Thema. Relevant wird es erst, wenn ein größeres Depot in einem Jahr hohe realisierte Gewinne oder Ausschüttungen abwirft. Wer regelmäßig über die Freibeträge hinauskommt, sollte die Grenze im Blick behalten, damit das Kind nicht ungewollt aus der Familienversicherung fällt.
So sieht ein einfacher Einstieg aus
Kompliziert muss das Ganze nicht sein. Ein breit gestreuter Welt-ETF, etwa auf den MSCI World oder den FTSE All-World, als Sparplan reicht für die meisten Familien völlig aus. Wichtiger als die Auswahl des „perfekten“ Fonds sind niedrige Kosten, breite Streuung und Regelmäßigkeit. Ein monatlicher Sparplan sorgt automatisch dafür, dass ihr mal zu höheren, mal zu niedrigeren Kursen kauft, und nimmt euch das Timing komplett ab.
Für die Millennials unter euch, die gerade Familie und Vermögensaufbau unter einen Hut bringen, ist das Kinderdepot oft der bequemste Einstieg überhaupt: einmal eingerichtet, läuft der Sparplan im Hintergrund. Großeltern aus der Gen X nutzen es gern als sinnvolle Alternative zum nächsten Plastikspielzeug, ein Dauerauftrag zum Geburtstag wirkt über die Jahre stärker als jedes Geschenk. Und die Gen Z, die das Depot mit 18 übernimmt, startet mit etwas, das den meisten fehlt: einem fertigen Depot und dem wichtigsten Wissen, dass Anlegen früh und langweilig am besten funktioniert.