Ein leerer Handelssaal in einem Frankfurter Bankturm, davor ein Mann, der zwanzig Jahre lang dazugehörte: Die mehrfach ausgezeichnete Dokumentation „Der Banker: Master of the Universe“ (2013) von Marc Bauder lässt den ehemaligen Investmentbanker Rainer Voss erzählen, wie das System von innen aussieht. Der Film ist über zehn Jahre alt, und wirkt an vielen Stellen erstaunlich aktuell. Wir haben die wichtigsten Aussagen zusammengefasst und gefragt: Was können normale Anleger daraus lernen?

Eine Welt mit eigenen Regeln

Voss beschreibt den Einstieg ins Investmentbanking wie den Eintritt in einen Orden: bedingungslose Loyalität, durchgearbeitete Nächte als Beförderungswährung, keine kritischen Fragen. Wer aufsteigen will, opfert Geburtstage, Familienabende und im Zweifel den Elternurlaub. Zugleich entsteht eine goldene Blase: Man verdient vom ersten Tag an mehr als der eigene Vater am Ende seines Berufslebens, fährt in dieselben Skiorte wie die Kollegen und verliert Stück für Stück den Bezug zur Welt „da draußen“, und damit auch die Frage, welche Folgen die eigenen Geschäfte dort haben.

Produkte, die nur der Verkäufer versteht

Das Kernstück des Films ist Voss‘ Erklärung der Zinswetten, die Banken in den 2000er-Jahren an Kommunen und Mittelständler verkauften, hochkomplexe Wetten, etwa auf das Verhältnis von Schweizer Franken und japanischem Yen. Sein entlarvender Punkt: Großkonzernen kann man solche Konstruktionen gar nicht verkaufen, denn die haben dieselben Rechenmodelle wie die Banken. Verkaufen kann man sie nur an Kunden, denen diese Möglichkeiten fehlen. Genau dort, bei Stadtkämmerern und Firmenchefs ohne eigene Finanzabteilung, landeten die Produkte, mit teils verheerenden Folgen für kommunale Kassen.

Ungleiche Waffen an der Börse

Ähnlich nüchtern fällt Voss‘ Blick auf den modernen Börsenhandel aus. Im Hochfrequenzhandel kämpfen Rechenzentren um Standortmeter zur Börse, weil Millisekunden über Gewinne entscheiden; die durchschnittliche Haltedauer einer Aktie sei, so eine im Film zitierte Zahl, von vier Jahren auf 22 Sekunden gefallen. In dieser Hierarchie der Mittel stehen Großkonzerne oben, dann Banken, dann Mittelstand und Kommunen, und ganz unten der Privatanleger. Wer als Kleinanleger kurzfristig gegen diese Maschinerie „zocken“ will, spielt nach Voss‘ Worten letztlich Roulette: An Einzelgewinne erinnert man sich, die vielen kleinen Verluste vergisst man.

Ein System, das niemand mehr überblickt

Bemerkenswert ist, wie offen der Insider die Grenzen des eigenen Systems benennt: Keine Einzelperson verstehe die komplette Rechnungslegung einer Großbank, Entscheidungen über verschachtelte Vertragswerke würden zwangsläufig „in Unsicherheit“ getroffen, und ständig steigende Renditevorgaben verschöben das Geschäft schleichend in Richtung Grauzone. Für die Finanzkrise 2008 und ihre Folgen, Bad Banks, Rettungspakete über Nacht, Haftung der Steuerzahler, gab es anders als für jeden Betriebsunfall keinen Plan B. Sein bitteres Fazit im Film: Banken, Märkte und Investoren lernen nicht dazu. Und „die Märkte“ seien keine gotthafte Kraft, hinter jeder Entscheidung stünden Menschen.

Vier Lehren für Privatanleger

  • Kaufe nichts, was du nicht verstehst: Wenn ein Produkt so komplex ist, dass nur der Verkäufer es durchrechnen kann, ist die Informationsasymmetrie das eigentliche Geschäftsmodell. Das galt für Kommunen-Zinswetten, und gilt heute für manches strukturierte Zertifikat.
  • Spiel nicht das Spiel der Profis: Kurzfristiges Trading gegen Rechenzentren mit Milliardenbudgets ist ein Wettkampf mit ungleichen Waffen. Langfristiges, breit gestreutes Anlegen umgeht ihn, wie das geht, zeigt unser Guide ETF-Sparplan für Einsteiger.
  • Achte auf die Anreize deines Gegenübers: Berater, die pro Abschluss verdienen, verkaufen Abschlüsse. Frag immer, woran die Gegenseite verdient.
  • Einfachheit ist ein Schutzschild: Je simpler das eigene Depot, desto weniger versteckte Risiken, und desto weniger hängt vom Wohlwollen eines Systems ab, das selbst Insider nicht vollständig überblicken.
Hinweis: Dieser Artikel bietet eine allgemeine Orientierung und Einordnung eines Dokumentarfilms. Er ist keine individuelle Anlageberatung.

Quellen

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