Sommerhitze fühlt sich für die meisten von uns nach Freibad, Feierabend im Park und Eis an. Für den Körper ist eine Hitzewelle aber echte Schwerstarbeit, und für manche Menschen sogar lebensgefährlich. Das Robert Koch-Institut schätzt, dass in Deutschland allein 2024 rund 3.000 Menschen hitzebedingt gestorben sind. Das ist keine abstrakte Statistik: Es sind oft die Großeltern, die Nachbarin oder der Vater, der nicht mehr richtig auf sein Durstgefühl hört. Höchste Zeit, das Thema ernst zu nehmen, gerade wenn du zur „Sandwich-Generation“ gehörst und dich um Kinder und ältere Eltern zugleich kümmerst.

Wie viele Menschen sterben wirklich an Hitze?

Die Zahlen sind erstaunlich hoch, weil kaum jemand „an Hitze“ im Totenschein steht. Das RKI rechnet deshalb anders: Es verknüpft die Sterbedaten des Statistischen Bundesamtes mit den Temperaturmessungen des Deutschen Wetterdienstes und vergleicht die Sterblichkeit in kühleren Wochen mit der in Hitzewochen. Die Differenz sind die geschätzten hitzebedingten Todesfälle.

Für 2024 kommt diese Methode auf etwa 3.000 Sterbefälle. Für das besonders heiße Jahr 2025 schätzte das RKI rund 2.600 Hitzetote, schon eine einzige Hitzewelle Ende Juni 2025 forderte tausende Opfer innerhalb weniger Tage. Zum Vergleich: In den Extremsommern 2018 und 2019 lag die Schätzung jeweils bei über 7.000. Die Spannbreite zeigt, wie stark einzelne Hitzewellen durchschlagen, und dass wir uns jeden Sommer neu darauf einstellen müssen.

Warum Hitze den Körper überfordert

Bei Hitze läuft der Körper auf Hochtouren, um seine Kerntemperatur zu halten. Er weitet die Blutgefäße und schwitzt, was Herz und Kreislauf belastet. Über den Schweiß verliert man Flüssigkeit und Mineralstoffe. Wer nicht genug nachtrinkt, dickt das Blut ein, das erhöht das Risiko für Kreislaufprobleme, Nierenschäden, Herzinfarkt und Schlaganfall. Nicht die Hitze selbst tötet also meist, sondern die Belastung für ein Herz-Kreislauf-System, das oft schon vorbelastet ist.

Deshalb sind ältere Menschen besonders gefährdet. Von den geschätzten Hitzetoten im Sommer 2025 waren die allermeisten hochbetagt: rund 2.950 Menschen ab 85 Jahren, etwa 1.320 im Alter von 75 bis 84 Jahren. Der Grund ist tückisch: Mit dem Alter lässt das Durstgefühl nach. Viele ältere Menschen merken schlicht nicht, dass ihr Körper längst nach Wasser verlangt.

Nicht nur ein Problem der Älteren

Auch wenn die Statistik von den Hochbetagten dominiert wird, niemand ist immun. Für die Millennials mit kleinen Kindern gilt: Babys und Kleinkinder können ihre Temperatur noch nicht gut regulieren und trocknen schneller aus. Ein Kinderwagen mit dünnem Tuch über dem Verdeck staut die Hitze wie ein Treibhaus, statt zu kühlen. Und wenn du zur Gen Z gehörst und im Hochsommer joggst, Fußball spielst oder auf dem Bau oder in der Gastro arbeitest: Auch junge, fitte Menschen holen sich bei praller Sonne einen Hitzschlag. Anzeichen wie Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit oder Muskelkrämpfe sind Warnsignale, keine „Weicheier-Symptome“.

Trinken: die wichtigste und einfachste Maßnahme

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung nennt eine simple Faustregel für Hitzetage: alle ein bis zwei Stunden ein Glas Wasser (etwa 0,2 Liter), auch dann, wenn man keinen Durst hat. Für ältere Menschen empfehlen Fachstellen an heißen Tagen grob zwei bis drei Liter über den Tag verteilt. Ein praktischer Trick für Angehörige: Morgens die Tagesmenge abmessen, in eine sichtbare Karaffe füllen und in Griffweite stellen. Am Abend sieht man sofort, ob genug getrunken wurde.

Ein wichtiger Vorbehalt: Wer eine Herz- oder Nierenerkrankung hat, darf nicht einfach unbegrenzt trinken. Für diese Menschen ist die optimale Trinkmenge ärztlich festgelegt, hier gilt die ärztliche Absprache und nicht die pauschale Faustregel. Auf Alkohol und stark gezuckerte Getränke sollte man bei Hitze möglichst verzichten, weil sie dem Körper zusätzlich Wasser entziehen.

Wohnung, Tagesplan und der Blick auf die Eltern

Neben dem Trinken helfen ein paar Routinen enorm. Lüfte früh morgens und spätabends, tagsüber bleiben Fenster und Rollläden auf der Sonnenseite geschlossen. Verlege anstrengende Erledigungen, Sport und Einkäufe in die kühleren Morgen- oder Abendstunden. Leichte, luftige Kleidung, ein Sonnenhut und ein feuchtes Tuch im Nacken kühlen zusätzlich. In sehr heißen Wohnungen kann eine kühle Dusche oder ein Fußbad Wunder wirken.

Für die Sandwich-Generation heißt das ganz konkret: Ruf deine Eltern an heißen Tagen aktiv an. Frag nicht nur „Wie geht’s?“, sondern gezielt: Hast du heute schon getrunken? Ist die Wohnung abgedunkelt? Gibt es kühle Getränke im Haus? Der Deutsche Wetterdienst bietet einen kostenlosen Hitzewarndienst, dessen Warnungen man sich per App oder Newsletter schicken lassen kann, ideal, um am Vortag zu wissen, wann ein kritischer Tag ansteht und man rechtzeitig gegensteuern kann.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Vorerkrankungen – etwa des Herzens oder der Nieren – sowie bei akuten Beschwerden wende dich bitte an deine Ärztin oder deinen Arzt. Die individuell passende Trinkmenge und Vorsorge kann nur medizinisch fachkundig festgelegt werden.

Quellen