Gebräunte Haut gilt vielen noch immer als Zeichen von Gesundheit und Urlaub. Die Zahlen erzählen eine andere Geschichte: Hautkrebs ist längst die häufigste Krebsart in Deutschland, und ein großer Teil der Fälle ließe sich vermeiden. Gerade wer mit Mitte 20 ins Solarium geht oder im Freibad auf Sonnencreme verzichtet, sammelt ein Risiko, das erst Jahrzehnte später sichtbar wird. Ein nüchterner Blick auf die Fakten, ohne Panik, aber mit klaren Empfehlungen.
Hautkrebs in Zahlen: mehr als ein Randthema
Beim schwarzen Hautkrebs, dem malignen Melanom, erkrankten in Deutschland zuletzt rund 28.000 Menschen pro Jahr, Frauen und Männer etwa gleich häufig. Beim helleren, sogenannten weißen Hautkrebs sind es sogar mehr als 200.000 Neuerkrankungen jährlich. Damit ist Hautkrebs insgesamt die häufigste Krebserkrankung im Land. Und die Kurve zeigt steil nach oben: Zwischen 2005 und 2023 hat sich die Zahl der dokumentierten Melanom-Fälle mehr als verdoppelt.
Der weiße Hautkrebs ist meist gut behandelbar, wenn er früh erkannt wird. Das Melanom dagegen kann streuen und tödlich verlaufen: 2023 starben in Deutschland rund 3.169 Menschen daran, weitere gut 1.300 an weißem Hautkrebs. Das Gute an dieser Statistik ist, dass der wichtigste Risikofaktor beeinflussbar ist, nämlich die UV-Strahlung.
Warum das Solarium besonders für Junge tückisch ist
Wenn du mit Anfang 20 gelegentlich auf die Sonnenbank gehst, klingt das harmlos. Die Forschung sieht das anders. Wer vor dem 35. Lebensjahr zum ersten Mal ein Solarium nutzt, hat ein um rund 87 Prozent erhöhtes Melanomrisiko. Eine 2025 im Fachjournal Science Advances veröffentlichte Studie fand bei Solariumnutzern deutlich mehr Erbgut-Mutationen in den pigmentbildenden Hautzellen, sogar an Körperstellen, die nie echtes Sonnenlicht sehen. Die Autoren sprechen von einem etwa verdreifachten Melanomrisiko.
In Deutschland ist Minderjährigen der Solariumbesuch seit 2009 gesetzlich verboten. Trotzdem nutzten Schätzungen zufolge noch 2018 rund 140.000 Jugendliche die künstliche Sonne. Für die Gen Z heißt das ganz direkt: Der vermeintlich schnelle Bräunungstrick aus dem Solarium ist keine gute Idee, kein Instagram-taugliches Sommerglühen ist ein verdreifachtes Krebsrisiko wert.
Was wirklich schützt, die vier Basics
Sonnenschutz ist kein Hexenwerk, aber ein paar Dinge werden regelmäßig falsch gemacht. Das Bundesamt für Strahlenschutz empfiehlt vier einfache Regeln, die für alle Generationen gelten:
- UV-Index beachten: Ab einem Wert von 3 kann jede Haut einen Sonnenbrand bekommen. Den aktuellen UV-Index gibt es kostenlos per Wetter-App oder auf der Seite des BfS. An heißen Sommertagen liegt er in Deutschland oft bei 7 oder höher.
- Mittagssonne meiden: Zwischen 11 und 15 Uhr ist die Strahlung am stärksten. Schatten, Sonnenhut und lange, leichte Kleidung schützen besser als jede Creme.
- Richtig eincremen: Lichtschutzfaktor mindestens 30, am Wasser, im Gebirge oder im Süden lieber 50+. Wichtig ist die Menge: Für den ganzen Körper eines Erwachsenen braucht es rund vier gehäufte Esslöffel, die meisten cremen viel zu sparsam. Etwa eine halbe Stunde vor dem Rausgehen auftragen und nach dem Baden nachcremen.
- Kinderhaut extra schützen: Babys gehören gar nicht in die direkte Sonne, kleine Kinder brauchen LSF 50+, Hut und Schatten.
Für Familien mitten im Alltag, die Millennials mit Kita-Kindern und die Sandwich-Generation, die zugleich auf Kinder und ältere Eltern achtet, lohnt sich eine feste Routine: Sonnencreme neben die Haustür, morgens auftragen wie Zähneputzen. Auch die alternden Eltern profitieren, denn ein großer Teil der lebenslangen UV-Dosis sammelt sich über Jahrzehnte an.
Vitamin D nicht als Ausrede nehmen
Ein häufiges Gegenargument lautet: „Aber ich brauche Sonne für Vitamin D.“ Das stimmt, nur reichen dafür schon wenige Minuten mit unbedecktem Gesicht und Armen, mehrmals pro Woche. Für die Vitamin-D-Bildung braucht niemand einen Sonnenbrand oder das Solarium. Wer im Winter unsicher ist, klärt einen möglichen Mangel besser über einen Bluttest beim Arzt als über die Sonnenbank.
Früherkennung: der Blick auf die eigene Haut
Ab 35 Jahren zahlen die gesetzlichen Kassen alle zwei Jahre ein Hautkrebs-Screening. Unabhängig davon hilft die ABCDE-Regel bei der Selbstkontrolle: Auffällig sind Muttermale, die asymmetrisch sind, unregelmäßige Begrenzung haben, mehrere Color-Farbtöne zeigen, im Durchmesser über fünf Millimeter liegen oder sich in ihrer Entwicklung verändern. Wenn dir ein Fleck neu vorkommt oder sich wandelt, lass ihn ärztlich anschauen, lieber einmal zu oft.