Das Konto rutscht ins Minus, aber der Alltag läuft weiter: Miete, Handyvertrag, spontane Bestellung. Solange die Karte nicht gesperrt wird, fühlt sich das erstmal harmlos an. Genau das ist die Tücke am Dispo. Er ist bequem, unsichtbar, und einer der teuersten Kredite, die es in Deutschland gibt. Wer gerade ins Berufsleben startet und zum ersten Mal ein eigenes Konto führt, sollte deshalb genau verstehen, was da eigentlich passiert.

Was der Dispo wirklich kostet

Der Dispositionskredit, kurz Dispo, ist der Kreditrahmen, den die Bank dir auf dem Girokonto einräumt, meist ein paar Netto-Monatsgehälter hoch. Du kannst ihn nutzen, ohne zu fragen, und musst nichts zurückzahlen außer den Zinsen. Und die haben es in sich: Im Frühjahr 2026 lagen die Dispozinsen laut einer Verivox-Auswertung im Bundesschnitt bei rund 11,3 Prozent pro Jahr. Die Spanne reicht dabei von unter 3 Prozent bei günstigen Direktbanken bis über 15 Prozent bei einzelnen Instituten.

Noch teurer wird es bei der sogenannten geduldeten Überziehung. Damit ist gemeint, dass du über deinen Dispo-Rahmen hinaus ins Minus gehst, oder gar keinen Dispo hast und das Konto trotzdem überzogen wird. Dafür verlangen Banken im Schnitt rund 13 Prozent, in Einzelfällen wurden 2026 sogar Sätze von 17 bis knapp 20 Prozent gemeldet. Zum Vergleich: Ein normaler Ratenkredit kostete laut Bundesbank Anfang 2026 im Schnitt nur etwa 8,5 Prozent. Der Dispo ist also nicht ein bisschen, sondern deutlich teurer als fast jede andere Kreditform.

Warum sich kleine Beträge groß anfühlen können

Konkret heißt das: Wer dauerhaft mit 1.000 Euro im Minus steht, zahlt bei 11,3 Prozent rund 113 Euro Zinsen im Jahr, Geld, für das du keinerlei Gegenwert bekommst. Bei 2.000 Euro sind es schon über 220 Euro. Das klingt nach nicht viel im Monat, summiert sich aber leise auf, weil die Zinsen quartalsweise direkt vom Konto abgebucht werden und das Minus dadurch noch tiefer wird. So entsteht ein Kreislauf, aus dem man ohne bewussten Plan schwer wieder herauskommt.

Das Problem ist selten die eine große Ausgabe, sondern das schleichende Dauer-Minus. Der Dispo verführt dazu, den Kontostand nicht mehr als echte Grenze zu sehen. Genau hier lohnt es sich, einmal ehrlich hinzuschauen: Bin ich am Monatsende zufällig kurz im Minus, oder komme ich seit Monaten gar nicht mehr in die schwarzen Zahlen?

In drei Schritten aus dem Minus

Der Weg aus dem Dispo ist unspektakulär, aber er funktioniert. Erstens: Verschaff dir Überblick. Schau in dein Online-Banking, wie tief das Minus wirklich ist und wie hoch dein Dispozins genau liegt, der Satz steht in den Kontounterlagen oder in der App. Zweitens: Mach einen Plan mit festen Raten. Statt zu hoffen, dass sich das Minus „irgendwann“ auflöst, überweist du dir gedanklich jeden Monat einen festen Betrag zurück ins Plus. Selbst 50 oder 100 Euro monatlich bringen dich messbar voran und sparen sofort Zinsen.

Drittens, und das ist der entscheidende Hebel bei größeren Summen: Wer länger als ein paar Monate mit über 1.000 Euro im Dispo festhängt, sollte über eine Umschuldung in einen Ratenkredit nachdenken. Der hat einen festen Zinssatz, eine klare Laufzeit und kostet oft nur die Hälfte. Bei durchschnittlicher Bonität lässt sich die Zinslast so um 30 bis 50 Prozent drücken. Wichtig ist nur, den alten Dispo danach auch tatsächlich stehen zu lassen und nicht erneut auszureizen.

Für jede Lebensphase ein anderer Hebel

Wenn du mit Anfang 20 dein erstes Gehalt bekommst, ist die beste Strategie, den Dispo gar nicht erst als „verfügbares Geld“ zu betrachten. Richte dir lieber einen kleinen Notgroschen von ein, zwei Hundert Euro ein, der genau diese Pufferfunktion übernimmt, dann brauchst du das teure Minus im Alltag nicht.

Für Millennials in der Familienphase ist der Dispo oft ein Symptom für schwankende Monate: mal die Kfz-Versicherung, mal die Nachzahlung für Strom. Hier hilft ein separates Konto für solche Jahresrechnungen, auf das du monatlich einen kleinen Betrag legst. Und für die Sandwich-Generation zwischen Kindern und alternden Eltern lohnt der nüchterne Blick, ob ein alter, teurer Dispo bei der Hausbank nicht längst durch ein günstigeres Konto oder einen Ratenkredit ersetzt gehört. Ein Kontowechsel ist heute in wenigen Tagen erledigt, und Verbraucherschützer betonen seit Jahren, dass die Banken die Zinsen vor allem deshalb hoch halten, weil so wenige Kundinnen und Kunden tatsächlich wechseln.

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Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine Anlage-, Steuer- oder Finanzberatung dar. Zinssätze und Konditionen unterscheiden sich je nach Bank und individueller Bonität. Für deine persönliche Situation lass dich im Zweifel unabhängig beraten, etwa bei der Verbraucherzentrale.

Quellen