Es klingt nach Kleingeld: ein paar Euro im Monat fürs Girokonto. Doch über ein Jahr summiert sich das, und über zehn Jahre erst recht. Der Schnitt der Kontoführungsgebühren liegt inzwischen bei rund 125 Euro pro Jahr. Gleichzeitig gibt es Konten, die dauerhaft nichts kosten. Der Unterschied ist also nicht ein Kaffee im Monat, sondern schnell ein voller Wocheneinkauf im Jahr. Höchste Zeit, genauer hinzuschauen.
Warum die Gebühren 2026 weiter steigen
Der Trend ist eindeutig: Viele Sparkassen und Volksbanken haben ihre Kontomodelle zum Jahreswechsel 2026 erneut verteuert. Bei der Sparkasse liegen die monatlichen Gebühren je nach Institut und Modell typischerweise zwischen 0 und rund 12 Euro, Online-Konten kosten oft 4 bis 5 Euro, Komfort- und Premium-Modelle 10 bis 12 Euro. Bei einzelnen Häusern gab es 2026 Erhöhungen um einen Euro pro Monat und mehr.
Der Grund liegt im Geschäftsmodell: Filialen, Personal und Geldautomaten kosten Geld, und die klassische Kontoführung wirft für die Banken selbst wenig ab. Online- und Direktbanken haben diese Kosten nicht in gleichem Maße, und geben den Vorteil an ihre Kundinnen und Kunden weiter. Deshalb klafft die Lücke zwischen Filial- und Onlinebank 2026 weiter auseinander.
„Kostenlos“ heißt selten wirklich bedingungslos
Hier lohnt der genaue Blick aufs Kleingedruckte. Viele Konten werben mit „kostenlos“, meinen damit aber „kostenlos, wenn du bestimmte Bedingungen erfüllst“. Die häufigste Auflage ist ein Mindestgeldeingang: Oft ist das Konto ab etwa 700 Euro monatlichem Eingang gratis, bei manchen Banken erst ab 1.000 Euro.
Ein konkretes Beispiel: Bei der ING ist das Girokonto ab 1.000 Euro Geldeingang pro Monat kostenlos, und für alle unter 28 Jahren ohnehin. Wer die Schwelle verfehlt, zahlt 4,90 Euro im Folgemonat. Solche Alters- und Eingangsklauseln sind fair, wenn du ein festes Gehalt hast. Kritisch wird es für Studierende, Menschen in Teilzeit, Elternzeit oder mit unregelmäßigem Einkommen, genau dann rutscht man leicht in die Gebühr.
Wenn du gerade ins Berufsleben startest oder zwischen zwei Jobs stehst: Prüfe, ob dein Konto an einen Mindesteingang gekoppelt ist. Fällt dein Gehalt mal aus oder kommt unregelmäßig, kann ein bedingungslos kostenloses Konto die sicherere Wahl sein.
Diese Konten sind 2026 wirklich gratis
Echte, dauerhaft bedingungslose Kostenfreiheit ist 2026 rar geworden. Stiftung Warentest zählt aktuell nur rund zwölf Girokonten, bei denen Inhaber gar keine Bedingungen erfüllen müssen. Dazu gehören unter anderem das C24 Smart, das N26 Standard, das BBVA Girokonto und das Santander Girokonto. Auch das Trade Republic Girokonto verzichtet auf eine Geldeingangsschwelle. Insgesamt bieten rund 35 Banken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken ihre Konten generell oder unter Bedingungen ohne monatliche Grundgebühr an, wirklich auflagenfrei ist aber nur ein Bruchteil davon.
Wichtig: „Kostenlos“ bezieht sich meist auf die Grundgebühr. Ob Bargeldabheben, Fremdwährung oder eine zusätzliche Karte etwas kosten, steht auf einem anderen Blatt.
Die versteckten Kosten, die im Vergleich untergehen
Die monatliche Grundgebühr ist nur die halbe Wahrheit. Stiftung Warentest rechnet vor, dass ein Konto mit scheinbar günstigen 2,95 Euro Grundpreis im Monat für einen typischen Nutzer trotzdem rund 174 Euro im Jahr kosten kann, weil zusätzlich jede einzelne Buchung berechnet wird. Zu den Posten, die schnell übersehen werden, gehören:
- Buchungsgebühren für Überweisungen, Lastschriften und Daueraufträge, teils pro Vorgang.
- Kartenkosten: Girocard und Debitkarte sind manchmal extra, eine Kreditkarte fast immer.
- Bargeld: Abheben am „fremden“ Automaten kostet oft mehrere Euro, mancherorts auch das Einzahlen.
- Dispozinsen: Wer ins Minus rutscht, zahlt bei vielen Banken weiter zweistellige Zinsen, der teuerste Teil überhaupt.
Als Faustregel gilt: Ein Konto ist nur dann günstig, wenn es zu deinem Verhalten passt. Hebst du oft Bargeld ab, ist ein dichtes, kostenfreies Automatennetz mehr wert als ein Euro weniger Grundgebühr. Zahlst du fast alles mit Karte, spielen Automatengebühren kaum eine Rolle.
Was ein guter Vergleich leisten muss
Stiftung Warentest hält Gebühren bis etwa 60 Euro im Jahr für vertretbar, der Marktschnitt von 125 Euro liegt also deutlich darüber. Bevor du wechselst, lohnt ein kurzer Kassensturz: Wie viele Überweisungen machst du im Monat? Wie oft hebst du Bargeld ab, und wo? Brauchst du eine Filiale und persönliche Beratung, oder erledigst du ohnehin alles per App?
Für die Sandwich-Generation, die Konten für sich, vielleicht die Kinder und teils die alternden Eltern im Blick hat, kann eine Filiale mit Beratung ihren Preis wert sein, das ist eine bewusste Entscheidung, kein Fehler. Wer dagegen mit Mitte 20 startet und digital unterwegs ist, fährt mit einem gebührenfreien Onlinekonto meist am besten. Der Kontowechsel selbst ist heute unkompliziert: Banken sind gesetzlich verpflichtet, beim Umzug von Daueraufträgen und Lastschriften zu helfen.
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