Mit Mitte 50 wird die Rente plötzlich greifbar. Der Renteninformationsbrief landet im Briefkasten, und auf einmal rechnet man im Kopf nach, ob das später reicht. Viele in der Sandwich-Generation, zwischen Studienkosten der Kinder und der Pflege der eigenen Eltern, fragen sich dann: Kann ich meine gesetzliche Rente eigentlich gezielt aufstocken? Die Antwort lautet ja. Man kann Rentenpunkte schlicht kaufen. Ob sich das lohnt, hängt aber stark von der eigenen Lebenssituation ab.
Was ein Rentenpunkt 2026 kostet, und bringt
Die Rechnung ist erstaunlich greifbar. Ein voller Entgeltpunkt, im Volksmund Rentenpunkt, kostet 2026 genau 9.661,58 Euro an freiwilligen Beiträgen. Dafür bekommt man ab Juli 2026 eine zusätzliche Monatsrente von 42,52 Euro, brutto, lebenslang. Das sind gut 510 Euro mehr Rente im Jahr für jeden gekauften Punkt.
Rein rechnerisch hat man den Einsatz nach etwa 19 Jahren wieder heraus. Wer mit 67 in Rente geht, wäre dann Mitte 80, wenn der Kauf sich amortisiert hat. Klingt nach langer Geduld, aber zwei Dinge verbessern die Bilanz deutlich. Erstens steigt die Rente jedes Jahr mit, 2026 etwa um 4,24 Prozent. Der gekaufte Punkt wird also Jahr für Jahr mehr wert. Zweitens sind freiwillige Beiträge zur gesetzlichen Rente als Altersvorsorgeaufwendungen steuerlich absetzbar, was die effektiven Kosten spürbar senkt, gerade in den letzten Berufsjahren mit hohem Einkommen.
Wer überhaupt einzahlen darf
Freiwillige Beiträge kann grundsätzlich jeder leisten, der in Deutschland wohnt, mindestens 16 Jahre alt und nicht ohnehin pflichtversichert ist. Das betrifft vor allem Selbstständige, Beamte, Hausfrauen und Hausmänner oder Menschen mit längeren Lücken im Versicherungsverlauf. Wer angestellt und damit pflichtversichert ist, kann auf diesem Weg nicht zusätzlich auffüllen, mit einer wichtigen Ausnahme.
Diese Ausnahme ist für die Sandwich-Generation besonders interessant: Ab dem 50. Geburtstag dürfen auch Pflichtversicherte einzahlen, nämlich um spätere Abschläge bei einer vorgezogenen Rente auszugleichen. Wer mit 63 in Rente will, zahlt sonst bis zu 14,4 Prozent Abschlag dauerhaft. Mit einer Ausgleichszahlung lässt sich dieser Malus ganz oder teilweise stopfen. Das Schöne daran: Bleibt man am Ende doch bis zur regulären Altersgrenze, war die Einzahlung nicht umsonst, sondern erhöht einfach die spätere Rente.
Wie viel geht, und wie flexibel
Die Spannweite ist groß. 2026 liegt der monatliche Mindestbeitrag bei 112,16 Euro, der Höchstbeitrag bei 1.571,70 Euro. Jeden Betrag dazwischen kann man frei wählen, monatlich oder als Einmalzahlung. Pro Jahr lassen sich so maximal rund 1,95 Rentenpunkte ansammeln. Wer das volle Jahr ausschöpft, zahlt also knapp 18.860 Euro und sichert sich gut 80 Euro mehr Monatsrente.
Ein praktischer Vorteil: Beiträge lassen sich bis zum 31. März des Folgejahres rückwirkend fürs Vorjahr einzahlen. Wer also erst bei der Steuererklärung merkt, dass noch Luft beim absetzbaren Vorsorgebudget ist, kann nachsteuern. Für 2026 läuft diese Frist bis zum 31. März 2027.
Für wen es sich lohnt, und für wen nicht
Die ehrliche Antwort: Es kommt auf die Lebenserwartung, die Steuerlast und die Alternativen an. Tendenziell spricht einiges dafür, wenn man gesund ist und eine durchschnittliche oder hohe Lebenserwartung hat, wenn man kurz vor der Rente steht und von der Steuerersparnis stark profitiert, oder wenn man Wert auf eine sichere, lebenslange und inflationsgeschützte Zahlung legt, um die man sich nie wieder kümmern muss. Auch die Hinterbliebenenabsicherung über die Witwen- oder Witwerrente kann ein Argument sein.
Skeptisch sollte man dagegen sein, wenn das Geld anderweitig dringender gebraucht wird, etwa für den Notgroschen oder zur Schuldentilgung. Auch wer eine deutlich unterdurchschnittliche Lebenserwartung hat, schneidet schlecht ab, weil die Rente mit dem Tod endet und nicht vererbt werden kann. Und für jüngere Anlegerinnen und Anleger ist der Vergleich meist klar: Wer mit Mitte 20 oder 30 noch dreißig, vierzig Jahre Zeit hat, erzielt mit einem breit gestreuten Welt-ETF historisch eine höhere Rendite, bei voller Flexibilität und Vererbbarkeit. Für die Gen Z ist das freiwillige Einzahlen in die Rente daher selten das erste Mittel der Wahl.
Für Millennials in der Familienphase ist es eher eine Frage der Reihenfolge: erst Notgroschen, Absicherung und der eigene ETF-Sparplan, dann irgendwann gegen Ende der Berufsphase die Frage nach gezielten Rentenpunkten. Die Sandwich-Generation hingegen ist genau in dem Fenster, in dem sich die Steuervorteile und der nahe Rentenbeginn am stärksten auszahlen.