„Altersvorsorge? Davon kann ich nicht mal träumen.“ Dieser Satz fällt oft, und er ist verständlich, wenn Miete, Lebensmittel und Strom das Konto schon vor dem Monatsende leeren. Trotzdem ist er gefährlich. Denn wer wenig verdient, bekommt später auch wenig gesetzliche Rente, und ist damit stärker als alle anderen darauf angewiesen, dass wenigstens etwas Zusätzliches da ist. Die gute Nachricht: Altersvorsorge ist kein Alles-oder-nichts-Spiel. Auch 25 oder 50 Euro im Monat machen über Jahrzehnte einen echten Unterschied, und einige der wirksamsten Hebel kosten dich gar nichts extra.

Erst der Blick auf die Lage: Wie groß ist deine Lücke?

Bevor du auch nur einen Euro anfasst, lohnt ein Blick in deine jährliche Renteninformation: Dort steht, was du nach heutigem Stand an gesetzlicher Rente erwarten kannst. Zieh davon gedanklich Steuern und Sozialabgaben ab und vergleiche mit deinen heutigen Ausgaben, die Differenz ist deine persönliche Lücke. Wie das Schritt für Schritt geht, zeigt unser Artikel zur Rentenlücke. Erst wenn du die Zahl kennst, weißt du, worüber du wirklich redest, oft ist sie kleiner als befürchtet, manchmal größer.

Hebel 1: Geld mitnehmen, das dir ohnehin zusteht

Betriebliche Altersvorsorge mit Arbeitgeberzuschuss: Wenn dein Arbeitgeber bei der Entgeltumwandlung Sozialabgaben spart, muss er mindestens 15 Prozent zuschießen, viele zahlen freiwillig mehr. Für Geringverdiener gibt es zusätzlich eine spezielle staatliche Förderung (den bAV-Förderbetrag), bei der der Staat dem Arbeitgeber einen Teil des Beitrags erstattet, frag aktiv in der Personalabteilung nach, ob dein Betrieb das anbietet. Ob sich die bAV in deinem Fall rechnet, hängt vom Tarif ab; die Abwägung findest du im Artikel zur betrieblichen Altersvorsorge.

Minijob: auf die Befreiung verzichten. Wer im Minijob arbeitet, kann sich von der Rentenkasse befreien lassen, die meisten tun das. Dabei ist der eigene Beitrag klein, bringt aber volle Beitragszeiten, die später für Ansprüche wie Erwerbsminderungsschutz oder die Grundrente zählen können. Details dazu im Artikel Minijob und Mindestlohn.

Grundrente: läuft automatisch. Wer viele Jahre gearbeitet und wenig verdient hat, bekommt seit 2021 unter Umständen einen Zuschlag zur gesetzlichen Rente. Beantragen musst du nichts, aber es beruhigt zu wissen, dass es diesen Mechanismus gibt.

Hebel 2: Klein anfangen, aber automatisch

Der wichtigste Faktor bei kleinem Budget ist nicht die Höhe der Rate, sondern die Zeit. Ein Sparplan auf einen breit gestreuten Welt-ETF ist bei vielen Brokern schon ab einem Euro möglich, üblich sind 25 Euro im Monat. Über 30 Jahre kommt selbst mit kleinen Raten dank Zinseszins eine fünfstellige Summe zusammen, die Rechnung und den Einstieg erklärt der Leitfaden zum ETF-Sparplan für Einsteiger. Entscheidend: Richte den Dauerauftrag direkt nach Gehaltseingang ein, nicht am Monatsende. Was zuerst weg ist, wird nicht ausgegeben, das Prinzip kennst du vielleicht aus der 50-30-20-Regel, die auch in einer abgespeckten Version (etwa 80-10-10) funktioniert.

Und ja: Vorher gehört ein kleiner Notgroschen aufs Tagesgeldkonto, damit nicht die erste kaputte Waschmaschine den Sparplan killt. Er muss anfangs nicht drei Monatsgehälter groß sein, 500 bis 1.000 Euro sind als erste Stufe schon Gold wert.

Hebel 3: Erhöhungen einplanen, bevor sie kommen

Mit kleinem Einkommen lässt sich selten sofort viel sparen, aber fast jeder hat irgendwann Sprünge: Gehaltserhöhung, Steuererstattung, Jobwechsel, wegfallende Ausgaben (das abbezahlte Auto, das ausgezogene Kind). Die wirksamste Regel: Von jeder Verbesserung wandert die Hälfte in die Vorsorge, bevor sie im Alltag ankommt. So steigt die Sparrate über die Jahre mit, ohne dass du je das Gefühl hast zu verzichten.

Wovor du dich hüten solltest

Gerade Menschen mit wenig Geld sind die Lieblingszielgruppe teurer Vorsorgeprodukte: kapitalbildende Policen mit hohen Abschlusskosten, „Kombiprodukte“ mit undurchsichtigen Gebühren oder Vertreter, die mit Verlustangst arbeiten. Faustregel: Unterschreibe nichts beim ersten Termin, lass dir alle Kosten in Euro (nicht in Prozent) zeigen und vergleiche mit der simplen Alternative ETF-Sparplan. Bei sehr kleinem Budget gilt außerdem: Teure Restschuld- oder Handyversicherungen kündigen bringt oft mehr freies Geld für die Vorsorge als jede Rendite-Optimierung. Einen Gesamtüberblick bietet die Seite Altersvorsorge.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Orientierung und stellt keine individuelle Finanz- oder Rentenberatung dar. Welche Vorsorgeform zu dir passt, hängt von deiner persönlichen Situation ab.

Quellen

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