Die meisten Menschen prüfen ihr Depot nur auf eine einzige Frage: Ist es mehr oder weniger geworden? Dabei sagt die Zahl unter dem Strich wenig darüber, ob dein Portfolio wirklich zu dir passt. Diese sieben Fragen sind dein ehrlicher Jahres-Check, am besten mit dem Depotauszug daneben durchgehen.
1. Weißt du, was dich dein Depot pro Jahr kostet?
Laufende Fondskosten (TER), Depotgebühren, Orderkosten, bei alten Produkten auch Ausgabeaufschläge, zusammen ergibt das deine echte Kostenquote. Der Unterschied zwischen 0,2 und 1,5 Prozent pro Jahr klingt klein, summiert sich über Jahrzehnte aber zu fünfstelligen Beträgen, weil die Kosten Jahr für Jahr am Zinseszins knabbern. Wer die eigene Kostenquote nicht kennt, beantwortet alle weiteren Fragen im Blindflug.
2. Wie breit bist du wirklich gestreut?
Zähl ehrlich nach: Wie viel Prozent deines Depots hängen an einem einzigen Unternehmen, einer Branche oder einem Land? Typische Klumpen sind Aktien des eigenen Arbeitgebers (doppelt riskant, Job und Depot hängen dann am selben Unternehmen), eine Handvoll Lieblings-Tech-Werte oder ein starker Heimatmarkt-Übergewicht. Als Faustregel gilt: Keine Einzelposition sollte so groß sein, dass ihr Totalausfall deine Pläne gefährdet. Praktischer Tipp: Das musst du nicht von Hand ausrechnen – Portfolio-Tools wie Parqet durchleuchten dein Depot mit ihrer X-Ray-Funktion und zeigen dir Klumpen und Überschneidungen automatisch.
3. Überschneiden sich deine Fonds?
Drei ETFs im Depot heißt nicht dreifache Streuung. Ein MSCI-World-ETF, ein S&P-500-ETF und ein Nasdaq-ETF klingen nach Vielfalt, enthalten aber zu großen Teilen dieselben US-Schwergewichte, du kaufst Apple und Microsoft dreimal. Prüf bei deinen Fonds die Top-10-Positionen: Tauchen überall dieselben Namen auf, hast du verdeckte Klumpen statt Streuung.
4. Passt deine Aktienquote zu deinem Zeithorizont?
Geld, das du in den nächsten Jahren brauchst, für Auto, Umzug oder als Reserve, hat im Aktiendepot nichts verloren. Umgekehrt gilt: Wer noch Jahrzehnte Zeit hat, verschenkt mit einer übervorsichtigen Aufteilung Rendite. Die richtige Frage ist nicht „Wie viel Schwankung halte ich aus?“, sondern „Wann brauche ich dieses Geld?“, und ob du bei einem Kurseinbruch von 40 Prozent ruhig schlafen und liegen lassen würdest.
5. Kannst du zu jeder Position sagen, warum du sie hältst?
Geh dein Depot Position für Position durch und beantworte laut: „Die halte ich, weil …“ Wenn die ehrliche Antwort lautet „war mal ein heißer Tipp“, „hab ich 2021 gekauft und will nicht mit Verlust verkaufen“ oder „keine Ahnung, war schon immer da“, dann ist das eine Karteileiche. Besonders verdächtig: teure aktive Mischfonds aus alten Bankberatungen und Themen-Produkte, deren Story längst vorbei ist.
6. Lässt du Verlierer laufen und verkaufst Gewinner?
Der Klassiker unter den Anlegerfehlern: Gewinner-Positionen werden verkauft („Gewinne mitnehmen“), Verlierer werden gehalten („kommt schon wieder“). Die Forschung nennt das den Dispositionseffekt, er fühlt sich gut an und kostet systematisch Rendite. Die ehrliche Kontrollfrage für jede Position: Würdest du sie zum heutigen Kurs wieder kaufen? Wenn nein: Warum hältst du sie dann?
7. Wann hast du zuletzt etwas am Depot geändert, und warum?
Beide Extreme sind Warnsignale. Wer ständig handelt, produziert Kosten und läuft Stimmungen hinterher. Wer nie etwas anpasst, lässt die Gewichtung verwildern, nach ein paar guten Aktienjahren ist aus 60/40 schnell 80/20 geworden, mit entsprechend mehr Risiko. Einmal im Jahr prüfen und bei Bedarf zurück zur Zielaufteilung bringen (Rebalancing) reicht für die meisten völlig.
Und jetzt? Aufräumen in der richtigen Reihenfolge
Wenn der Check Baustellen zeigt: erst die Kostenfresser und Karteileichen angehen, dann Klumpen abbauen, dann die Grundaufteilung geraderücken. Wie eine sinnvolle Basis aussieht, zeigen unsere Guides ETF-Sparplan für Einsteiger und Buy and Hold, Dividende oder Core-Satellite, und bei der Detailfrage Ausschütten oder Wiederanlegen hilft unser Vergleich ausschüttend oder thesaurierend. Alle Grundlagen findest du gebündelt auf der Themenseite ETF & Investieren.
Der Depot-Check als Video
Lena geht die sieben Fragen im Video durch – zähl deine Minuspunkte mit.
Auf YouTube ansehenQuellen
- Verbraucherzentrale: Sparen und Anlegen – Ratgeberübersicht
- BaFin: Verbraucherinformationen zur Geldanlage
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