Silicon Valley, um das Jahr 2000: Das Internet ist neu, aufregend und scheinbar grenzenlos. Junge Firmen ohne Produkt, ohne Kunden und ohne einen einzigen verdienten Euro gehen an die Börse – und ihr Wert vervielfacht sich über Nacht. Es genügt eine Idee und die Endung „.com“.
Das ist eine Station unserer Reihe „Die Geschichte des Geldes“. Nach dem Schwarzen Montag von 1987 kommt die vielleicht euphorischste Übertreibung der jüngeren Geschichte – diesmal befeuert von einer echten Revolution, die trotzdem in einer klassischen Blase endete.
Die neue Wirtschaft, die alle Regeln brach
„New Economy“ hieß das Zauberwort. Analysten erklärten, das Internet ändere alles so grundlegend, dass die alten Maßstäbe nicht mehr zählten. Eine Firma müsse keinen Gewinn machen – sie müsse nur wachsen, Nutzer sammeln, Marktanteile erobern. Der Gewinn komme später, irgendwann, von selbst.
So flossen gewaltige Summen in Unternehmen, deren Geschäftsmodell niemand richtig erklären konnte. Firmen verbrannten Millionen für Werbung und teure Büros, während die Einnahmen kaum tröpfelten. An der Börse aber zählte nur die Fantasie – und die kannte kein Limit.
Der Rausch
Der Technologie-Index Nasdaq verfünffachte sich in wenigen Jahren. Taxifahrer und Friseure tauschten Aktientipps, Neulinge fühlten sich als Genies, weil einfach alles stieg. Wer warnte, galt als altmodisch – als jemand, der „das Internet nicht verstanden“ hatte. Genau dieses Gefühl, dass die Vorsichtigen bloß zu dumm für den neuen Reichtum seien, kennen wir aus jeder Blase der Geschichte.
„Kaufe nicht die Nadel im Heuhaufen. Kaufe den ganzen Heuhaufen.“ – John C. Bogle, Erfinder des Indexfonds. Wer nicht auf die eine Wunderaktie wettet, sondern breit gestreut investiert, übersteht auch das Platzen einer Blase, ohne alles zu verlieren.
Der Absturz
Im Frühjahr 2000 kippte die Stimmung. Erst zögerlich, dann in Panik zogen Anleger ihr Geld ab. Was ohne echten Wert nach oben getragen worden war, fiel ohne Boden nach unten. Der Nasdaq verlor über die folgenden Jahre rund vier Fünftel seines Wertes. Unzählige „.com“-Firmen verschwanden spurlos, ganze Vermögen lösten sich auf.
Und doch war nicht alles Illusion: Das Internet war die Revolution, für die man es gehalten hatte. Nur eben langsamer, nüchterner und über die Köpfe der Spekulanten hinweg. Die Firmen, die wirklich etwas leisteten, wurden später zu den größten Konzernen der Welt – lange nachdem die Blase ihre ersten Anleger ruiniert hatte.
Die Dotcom-Blase teilt mit der Tulpenmanie den reinen Rausch der Erwartung – und leitet direkt in die nächste große Erschütterung über: Nur wenige Jahre später sollte die Finanzkrise 2008 zeigen, dass auch scheinbar solide Werte wie Immobilien zur Blase werden können. Und aus den Trümmern von 2008 wiederum entstand eine radikal neue Idee von Geld – das Bitcoin.
Quellen
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