Zwei Anfragen, die fast gleich heißen – und völlig unterschiedlich wirken

Wenn eine Bank bei der Schufa nachfragt, ob sie dir einen Kredit geben soll, übermittelt sie eines von zwei Merkmalen. Das Merkmal „Anfrage Kreditkonditionen“ bedeutet: Diese Person möchte nur wissen, zu welchem Zinssatz sie einen Kredit bekommen würde. Das Merkmal „Anfrage Kredit“ bedeutet dagegen: Diese Person beantragt jetzt konkret einen Kredit.

Der Unterschied klingt nach Bürokratie, hat aber handfeste Folgen. Die Konditionsanfrage ist für andere Banken nicht sichtbar und fließt nicht in die Berechnung deines Scores ein. Sie taucht nur in deiner eigenen Datenkopie auf, damit du nachvollziehen kannst, wer wann angefragt hat. Die Kreditanfrage dagegen wird taggenau zwölf Monate gespeichert und ist für andere Banken zehn Tage lang sichtbar.

Kurz gemerkt

Konditionsanfrage = unsichtbar und score-neutral, beliebig oft möglich. Kreditanfrage = wird vermerkt, zwölf Monate gespeichert, zehn Tage für andere Banken sichtbar.

Warum viele Kreditanfragen tatsächlich ein Problem sein können

Stellen mehrere Banken innerhalb kurzer Zeit echte Kreditanfragen für dieselbe Person, kann das aus Sicht der nächsten Bank zwei Dinge bedeuten: Entweder vergleicht hier jemand gründlich – oder jemand wurde bereits mehrfach abgelehnt und klappert nun verzweifelt Institute ab. Weil die Bank das nicht unterscheiden kann, wertet sie viele sichtbare Kreditanfragen im Zweifel als Warnsignal. Im ungünstigsten Fall bekommst du schlechtere Konditionen oder eine Absage, obwohl deine Zahlen in Ordnung sind.

Genau deshalb existiert die Konditionsanfrage: Sie wurde eingeführt, damit Verbraucher vergleichen können, ohne sich diesen Verdacht einzuhandeln. Du darfst so viele Konditionsanfragen stellen, wie du willst – bei fünf Banken, bei zehn, über Wochen verteilt. Dein Score bleibt davon unberührt.

So erkennst du, welche Anfrage gestellt wird

Das Problem in der Praxis: Du selbst kreuzt nirgendwo „Konditionsanfrage“ an. Welche Anfrage die Bank stellt, entscheidet sie – und nicht jede Hausbank-Filiale arbeitet sauber. Ein paar Anhaltspunkte helfen dir trotzdem:

  • Vergleichsportale stellen im ersten Schritt grundsätzlich Konditionsanfragen. Erst wenn du dich für ein konkretes Angebot entscheidest und den Antrag abschickst, wird daraus eine Kreditanfrage.
  • Bei der Bank direkt hilft eine klare Ansage: Sag ausdrücklich, dass du zunächst nur eine Konditionsanfrage möchtest – und lass dir das bestätigen.
  • Unverbindliche Zinsrechner auf Bankseiten, die ohne vollständige Datenabfrage auskommen, lösen in der Regel noch gar keine Schufa-Anfrage aus.
  • Deine Datenkopie nach Artikel 15 DSGVO zeigt dir im Nachhinein schwarz auf weiß, welches Merkmal gemeldet wurde. Die Kopie ist kostenlos.

Wichtig zu wissen: Auch eine echte Kreditanfrage ist kein Beinbruch. Eine einzelne Anfrage, auf die ein Vertrag folgt, ist ein völlig normaler Vorgang. Problematisch ist nur das Muster aus vielen sichtbaren Anfragen ohne Abschluss in kurzer Zeit.

Die richtige Reihenfolge beim Kreditvergleich

Aus den beiden Anfragetypen ergibt sich eine einfache Strategie. Erst breit vergleichen – per Konditionsanfrage, ohne Zeitdruck und ohne Spuren für andere Banken. Dann ein einziges Mal konkret werden: Wenn das beste Angebot feststeht, stellst du genau dort den echten Antrag. So steht am Ende nur eine sichtbare Kreditanfrage in deiner Akte, gefolgt von einem Vertrag – das sauberste Bild, das eine Bank sehen kann.

Beim Vergleichen selbst zählt übrigens derselbe Maßstab wie beim Autokauf: der effektive Jahreszins, nicht die beworbene Monatsrate. Warum die Rate in die Irre führt, haben wir im Artikel über Autokredit oder Barkauf durchgerechnet. Und wer erst gar keinen Ratenkredit braucht, sondern ein teures Dauerminus loswerden will, findet im Beitrag zur Dispozinsen-Falle den passenden Ausweg.

Ein Beispiel, wie es richtig läuft

Angenommen, du brauchst 12.000 Euro für eine neue Heizung. In Woche eins holst du dir über ein Vergleichsportal Angebote von acht Banken – alles Konditionsanfragen, für niemanden sichtbar. In Woche zwei fragst du zusätzlich bei deiner Hausbank an und sagst ausdrücklich dazu, dass du zunächst nur die Konditionen wissen willst. Jetzt liegen neun Angebote auf dem Tisch, dein Score ist unverändert. Du entscheidest dich für das beste Angebot und stellst dort – und nur dort – den echten Antrag. In deiner Schufa-Akte steht am Ende: eine Kreditanfrage, ein Kreditvertrag. Für jede künftige Bank sieht das nach einem planvollen Kunden aus.

Zum Vergleich das Negativ-Szenario: Wer dieselben neun Angebote über echte Kreditanträge einholt – etwa weil er bei jeder Bank gleich das vollständige Formular ausfüllt –, produziert neun sichtbare Kreditanfragen in zwei Wochen. Selbst mit ordentlichem Einkommen kann das die Konditionen des letzten Angebots verschlechtern. Der Unterschied liegt nicht im Verhalten, sondern allein im Anfragetyp.

Drei Irrtümer, die sich hartnäckig halten

  • „Jede Schufa-Anfrage kostet Score-Punkte.“ Nein – Konditionsanfragen sind ausdrücklich score-neutral, und auch deine eigene Datenkopie-Anfrage schadet dir nicht.
  • „Ich darf nur bei einer Bank anfragen.“ Das Gegenteil ist richtig: Breit vergleichen ist erwünscht und über Konditionsanfragen folgenlos möglich.
  • „Eine abgelehnte Anfrage wird gespeichert.“ Die Schufa speichert das Merkmal der Anfrage, nicht die Entscheidung der Bank. Ob eine Bank abgelehnt hat, sehen andere Institute nicht – sie sehen nur, dass angefragt wurde.

Was sonst noch am Score hängt

Die Anfrageart ist nur ein Baustein deiner Bonität. Zahlungsstörungen, viele kurz nacheinander eröffnete Konten oder häufige Umzüge wiegen deutlich schwerer. Wie sich der Score zusammensetzt, welche Daten die Schufa speichert und wie du Fehler korrigieren lässt, erklärt unser Grundlagen-Artikel Schufa-Score verstehen. Und falls der Kredit dazu dienen soll, bestehende Schulden zu ordnen: Mit der richtigen Strategie geht das System – wir zeigen im Artikel Schneeball- oder Lawinen-Methode, wie du Schulden planvoll abbaust.

Praxis-Tipp

Hol dir einmal im Jahr die kostenlose Datenkopie nach Art. 15 DSGVO bei der Schufa. Du siehst dann nicht nur alle Anfragen, sondern auch veraltete oder falsche Einträge – und kannst sie löschen lassen, bevor sie bei der nächsten echten Anfrage stören.

Hinweis: Dieser Beitrag bietet allgemeine Orientierung und ersetzt keine individuelle Beratung. Wie Banken Anfragen melden und Scores bewerten, kann sich ändern; maßgeblich sind die Auskünfte der Schufa und deiner Bank.

Quellen

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