„BAföG? Das kriegt doch eh keiner.“ Diesen Satz hört man in fast jeder WG-Küche, und er ist oft falsch. Viele stellen gar keinen Antrag, weil sie das komplizierte Verfahren scheuen oder glauben, sie hätten keinen Anspruch. Dabei sind gerade die Zahlen für 2026 einen zweiten Blick wert. Wenn du gerade ein Studium oder eine schulische Ausbildung planst oder mittendrin steckst, lohnt es sich, den Rechenstift zu zücken, bevor du das Thema abhakst.
Wie viel BAföG gibt es 2026?
Der Höchstsatz für Studierende liegt im Jahr 2026 bei 992 Euro im Monat. Das ist keine Zahl, die vom Himmel fällt, sondern setzt sich aus drei Bausteinen zusammen: einem Grundbedarf von 475 Euro, einer Wohnpauschale von 380 Euro für alle, die nicht mehr bei den Eltern wohnen, und einem Zuschlag von 137 Euro für die Kranken- und Pflegeversicherung. Wer noch im Kinderzimmer der Eltern lebt, bekommt entsprechend weniger, hier liegt der Höchstsatz bei rund 671 Euro. Und wer noch über die Eltern familienversichert ist, erhält maximal etwa 855 Euro, weil der Versicherungszuschlag dann kleiner ausfällt.
Wichtig zu verstehen: Der Höchstsatz ist die Obergrenze, nicht der Regelfall. Wie viel am Ende auf deinem Konto landet, hängt vom Einkommen deiner Eltern, von deinem eigenen Vermögen und deinem Nebenjob ab. Die zum 1. August 2024 angehobenen Bedarfssätze gelten 2026 unverändert weiter, eine automatische Erhöhung zum Wintersemester gibt es nach aktueller Gesetzeslage nicht.
Nebenjob: Der Freibetrag ist gestiegen
Hier steckt eine gute Nachricht, die viele übersehen. Seit dem 1. Januar 2026 darfst du bis zu 603 Euro brutto im Monat dazuverdienen, ohne dass dir das BAföG gekürzt wird. Dieser Freibetrag ist an die Minijob-Grenze gekoppelt, und die ist mit dem gestiegenen gesetzlichen Mindestlohn von 13,90 Euro pro Stunde ebenfalls nach oben gewandert. Für dich heißt das konkret: Ein klassischer Minijob und volles BAföG schließen sich nicht aus. Erst was über die 603 Euro hinausgeht, wird auf deine Förderung angerechnet und kürzt die Auszahlung.
Wenn du also mit Anfang 20 nebenbei kellnerst oder als Werkstudent jobbst, kannst du die Grenze bewusst im Blick behalten. Es kann sich sogar rechnen, die Stunden so zu planen, dass du knapp unter der Grenze bleibst, denn jeder Euro darüber schmälert die Förderung, statt dein Budget netto zu vergrößern.
Das Einkommen der Eltern entscheidet mit
BAföG ist in Deutschland grundsätzlich elternabhängig. Das Amt schaut sich an, was Mutter und Vater verdienen, und rechnet großzügige Freibeträge heraus. Für ein zusammenlebendes Elternpaar liegt der Grundfreibetrag bei rund 2.540 Euro netto im Monat; für Geschwister, die noch in Ausbildung sind, kommen weitere Freibeträge dazu. Nur das, was über diesen Beträgen liegt, wird anteilig auf deinen Bedarf angerechnet.
Das ist auch der Grund, warum sich ein Antrag selbst dann lohnen kann, wenn deine Eltern „ganz gut verdienen“. Gerade bei mehreren Kindern in Ausbildung oder bei mittleren Einkommen rutscht mancher wieder in die Förderung, der es nicht erwartet hätte. Für Eltern der Sandwich-Generation, die gleichzeitig ihre studierenden Kinder unterstützen und für die eigene Rente sparen, ist das eine echte Entlastung: Jeder Euro BAföG ist ein Euro, den ihr nicht aus dem Familienbudget zuschießen müsst.
Die Rückzahlung ist fairer als ihr Ruf
Der größte Denkfehler beim BAföG betrifft die Rückzahlung. Studierenden-BAföG besteht nur zur Hälfte aus einem Darlehen, die andere Hälfte ist ein echter Zuschuss, also geschenktes Geld, das du nie zurückzahlst. Und das Darlehen ist zinslos. Es fallen also keine Zinsen an, die die Schuld über die Jahre aufblähen.
Noch entscheidender: Die Rückzahlung ist auf maximal 10.010 Euro gedeckelt. Selbst wenn du über die gesamte Studienzeit deutlich mehr Förderung bekommen hast, musst du nie mehr als diese Summe zurückzahlen. Die Raten beginnen erst fünf Jahre nach dem Ende der Förderungshöchstdauer und liegen bei rund 130 Euro im Monat. Wer nach dem Studium wenig verdient, kann sich sogar von der Rückzahlung freistellen lassen. Verglichen mit einem privaten Studienkredit oder gar dem Dispo ist BAföG damit eine der günstigsten Finanzierungen überhaupt.
Was sich 2026/27 noch ändern könnte
Im Koalitionsvertrag der Bundesregierung ist eine weitere Erhöhung angelegt, unter anderem eine höhere Wohnpauschale von 440 statt 380 Euro, ein Plus von 60 Euro im Monat. Ob und wann das kommt, ist allerdings offen: Zuletzt gab es Signale, dass eine rasche Umsetzung nicht sicher ist. Verlass dich für deine Planung also lieber auf die heute geltenden Zahlen und betrachte eine mögliche Erhöhung als Bonus, nicht als eingeplantes Einkommen.
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