Wir versichern das Handy, das Auto und die Reise nach Italien. Aber das Wertvollste, das die meisten von uns besitzen, bleibt oft ungeschützt: die eigene Arbeitskraft. Wer mit 30 rund 3.000 Euro netto verdient, bringt es bis zur Rente auf weit über eine Million Euro Lebensverdienst. Fällt dieses Einkommen durch Krankheit weg, hilft weder die Kfz- noch die Hausratversicherung. Genau hier setzt die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) an, und sie ist 2026 relevanter denn je.
Berufsunfähigkeit trifft häufiger, als viele denken
Der Gedanke „Mir passiert das schon nicht“ ist verständlich, aber trügerisch. Statistisch wird etwa jeder vierte Erwerbstätige im Laufe seines Arbeitslebens berufsunfähig, lange bevor das reguläre Rentenalter erreicht ist. Und die Ursachen haben wenig mit dem Bild vom Dachdecker zu tun, der vom Gerüst stürzt.
Nach der Auswertung des Analysehauses Morgen & Morgen wurden 2025 rund 39 von 100 Berufsunfähigen wegen psychischer und Nervenerkrankungen berufsunfähig, der höchste je gemessene Wert. Psychische Erkrankungen allein machten dabei gut 32 Prozent aus. Erst danach folgen Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems mit knapp 19 Prozent und Krebserkrankungen mit rund 15 Prozent. Burnout, Depression oder chronische Rückenleiden sind längst die eigentlichen Risiken, und sie machen vor keinem Bürojob halt.
Besonders deutlich wird das bei jungen Menschen: In der Altersgruppe der 18- bis 30-Jährigen sind psychische Erkrankungen mit fast 38 Prozent die mit Abstand häufigste Ursache. Wenn du also mit Mitte 20 denkst, das Thema sei etwas für „später“, zeigt die Statistik das Gegenteil.
Der Staat springt nur mager ein
Viele verlassen sich stillschweigend auf den Staat. Doch die gesetzliche Absicherung ist deutlich schwächer, als die meisten annehmen. Wer nach 2001 geboren ist beziehungsweise nach dem Stichtag ins Berufsleben eingestiegen ist, hat keinen Anspruch mehr auf eine echte Berufsunfähigkeitsrente vom Staat. Es gibt nur noch die Erwerbsminderungsrente, und die knüpft an strenge Bedingungen: Sie zahlt in voller Höhe erst, wenn man praktisch in gar keinem Beruf mehr arbeiten kann, nicht nur im erlernten.
Und selbst dann ist die Summe knapp. Die volle Erwerbsminderungsrente lag 2026 im Durchschnitt bei rund 1.099 Euro im Monat, die teilweise Erwerbsminderungsrente sogar nur bei etwa 611 Euro. Davon Miete, Lebenshaltung und laufende Kredite zu stemmen, ist in den meisten Regionen schlicht nicht möglich. Die Lücke zwischen dem, was man gewohnt ist, und dem, was der Staat zahlt, muss man selbst schließen.
Was die BU leistet, und was sie kostet
Die Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt eine vereinbarte monatliche Rente, sobald man den zuletzt ausgeübten Beruf zu mindestens 50 Prozent nicht mehr ausüben kann. Entscheidend ist das Wörtchen „zuletzt ausgeübt“: Eine gute BU verzichtet auf die sogenannte abstrakte Verweisung, verweist einen also nicht auf irgendeinen anderen Job, den man theoretisch noch machen könnte.
Die Kosten hängen stark von Beruf, Alter und Gesundheitszustand ab. Für junge Menschen in Büroberufen ist der Schutz oft schon ab rund 30 bis 50 Euro im Monat zu haben, bei einer Bürokauffrau mit 25 Jahren und 1.500 Euro BU-Rente liegen die Beiträge etwa zwischen 40 und 70 Euro. Handwerkliche oder körperlich fordernde Berufe zahlen häufig das Drei- bis Vierfache. Grundsätzlich gilt: Je jünger und gesünder man beim Abschluss ist, desto günstiger und einfacher, denn Vorerkrankungen können später zu Zuschlägen oder Ablehnungen führen.
Was für welche Generation zählt
Für die Generation Z lohnt sich der frühe Abschluss doppelt: Der Beitrag ist niedrig, der Gesundheitszustand meist noch unkompliziert, und man sichert sich lange Laufzeiten. Wer als Azubi oder Studentin einsteigt, kann sich Sondertarife sichern und die BU-Rente später oft ohne neue Gesundheitsprüfung erhöhen.
Millennials in der Familien- und Immobilienphase tragen häufig die größte Verantwortung: Kinder, Kredit, ein Einkommen, das nicht wegfallen darf. Hier sollte die BU-Rente realistisch so bemessen sein, dass sie die laufenden Fixkosten deckt, als Faustregel gelten rund 70 bis 80 Prozent des Nettoeinkommens.
Und für die Sandwich-Generation der über 45-Jährigen heißt es: prüfen, was schon da ist. Ein bestehender Vertrag aus jungen Jahren ist oft Gold wert und sollte nicht leichtfertig gekündigt werden. Wer noch keine BU hat, für den wird sie zwar teurer, aber ein Blick auf Alternativen wie die Grundfähigkeits- oder Erwerbsunfähigkeitsversicherung kann sich lohnen, wenn eine klassische BU nicht mehr bezahlbar oder wegen Vorerkrankungen schwierig ist.
Worauf du beim Abschluss achten solltest
Nicht jeder Tarif ist gleich gut. Wichtig sind der Verzicht auf die abstrakte Verweisung, ein möglichst weltweiter Schutz, eine Nachversicherungsgarantie (um die Rente bei Heirat, Kind oder Gehaltssprung anzuheben) und ehrliche Angaben in der Gesundheitsprüfung. Wer hier trickst, riskiert im Ernstfall die Leistung. Die Gesundheitsfragen sollte man ruhig mit den eigenen Arztunterlagen abgleichen und im Zweifel eine unabhängige Beratung hinzuziehen.
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Quellen
- Franke und Bornberg: Berufsunfähigkeit 2026 – Ursachen für Anerkennung und Ablehnung
- Helberg: Psychische und Nervenerkrankungen – Allzeithoch als BU-Ursache
- Finanztip: Erwerbsminderungsrente – Höhe, Berechnung und Antrag
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