Er wohnt seit den 1950er-Jahren im selben Haus, frühstückt bei McDonald’s, und hat aus einer maroden Textilfabrik den wohl bewundertsten Konzern der Börsengeschichte gebaut. Warren Buffett eröffnet unsere Porträt-Serie über die großen Investoren. Nicht als Heldenverehrung, sondern mit der Frage: Was davon können normale Anleger wirklich lernen?

Der Junge, der mit elf seine erste Aktie kaufte

Warren Buffett wird 1930 in Omaha, Nebraska geboren, mitten in der Weltwirtschaftskrise, als Sohn eines Börsenmaklers und späteren Kongressabgeordneten. Das Geschäftstalent zeigt sich früh: Mit elf kauft er seine ersten Aktien, als Teenager verdient er mit Zeitungsrouten und gebrauchten Flipperautomaten, die er in Friseurläden aufstellt, mehr als mancher Erwachsene.

Die prägende Begegnung kommt an der Columbia University: Buffett studiert bei Benjamin Graham, dem Vater des Value Investing. Grahams Kernidee, eine Aktie ist ein Anteil an einem echten Unternehmen, und man kauft sie nur deutlich unter ihrem inneren Wert, wird Buffetts Kompass. Grahams Buch „The Intelligent Investor“ nennt er bis heute das beste Investment-Buch, das je geschrieben wurde.

Berkshire Hathaway: Der beste Fehler seines Lebens

1956 startet Buffett mit Geld aus Familie und Bekanntenkreis seine ersten Investment-Partnerschaften. 1965 übernimmt er Berkshire Hathaway, eine kriselnde Textilfabrik aus Neuengland. Später nennt er den Kauf selbst einen Fehler: Das Textilgeschäft war dem Untergang geweiht. Genial war, was er daraus machte: Berkshire wird zur Beteiligungsholding, und mit dem Kauf von Versicherungen entdeckt Buffett seinen wichtigsten Hebel, den „Float“, also Versicherungsprämien, die er investieren kann, bevor Schäden ausgezahlt werden müssen.

Den zweiten Entwicklungssprung verdankt er seinem Partner Charlie Munger: weg von Grahams Schnäppchenjagd („Zigarrenstummel“), hin zu Qualität. „Ein wunderbares Unternehmen zu einem fairen Kurs ist besser als ein faires Unternehmen zu einem wunderbaren Kurs“ wird zur Leitlinie, sichtbar beim Kauf von See’s Candies 1972, beim Einstieg bei Coca-Cola 1988 und Jahrzehnte später bei der milliardenschweren Apple-Position.

Die Bewährungsproben: Dotcom und Finanzkrise

Ende der 1990er gilt Buffett plötzlich als von gestern: Er versteht die Internet-Aktien nicht, und kauft sie deshalb nicht. Als die Dotcom-Blase im Jahr 2000 platzt, ist der „Dinosaurier“ rehabilitiert. Sein Prinzip dahinter: der Kompetenzkreis. Investiere nur in Geschäfte, die du wirklich verstehst, und bleib gelassen, wenn andere mit Dingen reich werden, die du nicht verstehst.

In der Finanzkrise 2008 zeigt er die zweite Seite dieser Gelassenheit: Während alle verkaufen, pumpt er Milliarden in Goldman Sachs und General Electric und schreibt öffentlich, er kaufe jetzt amerikanische Aktien. Sein berühmtester Satz fasst es zusammen, sei ängstlich, wenn andere gierig sind, und gierig, wenn andere ängstlich sind.

Die Zahlen, und ihr wahres Geheimnis

Von 1965 bis heute hat Berkshire Hathaway den Wert für seine Aktionäre um rund 20 Prozent pro Jahr gesteigert, etwa doppelt so stark wie der breite US-Aktienmarkt. Das klingt nach Zauberei, ist aber vor allem: Zeit. Buffett investiert seit über 80 Jahren, und der Zinseszins hatte Jahrzehnte, um zu wirken, der weitaus größte Teil seines Vermögens entstand erst nach seinem 50. Geburtstag. Ende 2025 übergab der über 90-Jährige den Chefposten an seinen langjährigen Vertrauten Greg Abel; sein Vermögen hat er fast vollständig für wohltätige Zwecke zugesagt.

Was Privatanleger lernen können, und was nicht

  • Zeit schlägt Timing: Buffetts Ergebnis ist zu großen Teilen Geduld. Früh anfangen und lange dabeibleiben wirkt stärker als jeder clevere Einzeltrade.
  • Kompetenzkreis respektieren: Nicht verstehen zu müssen, was gerade heiß ist, ist eine Stärke, keine Schwäche.
  • Emotionen sind der Feind: Die besten Gelegenheiten fühlen sich am schlechtesten an. Wer in Panik verkauft, macht aus Kursschwankungen echte Verluste.
  • Nicht kopieren: Buffett hat Milliarden-Float, Firmenzugang und ein Jahrhundert-Talent. Sein eigener Rat an Privatanleger ist deshalb bemerkenswert unspektakulär: ein kostengünstiger Indexfonds auf den breiten Markt. Eine Zehn-Jahres-Wette, dass ein simpler S&P-500-Indexfonds eine Auswahl teurer Hedgefonds schlägt, hat er haushoch gewonnen. Wie du das praktisch umsetzt, zeigt unser Guide ETF-Sparplan für Einsteiger.
Hinweis: Dieser Artikel bietet eine allgemeine Orientierung und historische Einordnung. Er ist keine Anlageberatung und keine Aufforderung, einzelne Aktien zu kaufen.

Quellen

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